Sicher und besser online – aber wie?

„Aggressiver, lauter, polemischer und zugespitzter“ hätten die sozialen Medien ihn werden lassen, ließ der grüne Spitzenpolitiker Robert Habeck nach Bekanntwerden des großen Datenlecks im Januar verlauten – und verabschiedete sich kurzerhand von Twitter und Facebook. Sein Schritt wurde von lärmender Cyberhäme begleitet und gar als „undemokratisch“ verunglimpft. Ein bemerkenswerter Vorwurf – schließlich soll es schon […]

Sicher und besser online – aber wie?
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„Aggressiver, lauter, polemischer und zugespitzter“ hätten die sozialen Medien ihn werden lassen, ließ der grüne Spitzenpolitiker Robert Habeck nach Bekanntwerden des großen Datenlecks im Januar verlauten – und verabschiedete sich kurzerhand von Twitter und Facebook. Sein Schritt wurde von lärmender Cyberhäme begleitet und gar als „undemokratisch“ verunglimpft. Ein bemerkenswerter Vorwurf – schließlich soll es schon funktionierende Demokratien gegeben haben, bevor Volksvertreter Zugang zum weiten Feld der Friends, Fans und Follower erhielten. Dass dort nicht nur bunte Blümchen blühen, steht jedenfalls außer Frage: „Gemeinsam für ein besseres Internet“ lautet passenderweise der Slogan am heutigen Safer Internet Day, einer globalen Initiative, die sich seit 2004 für ein sicheres Internet einsetzt – mit einem Schwerpunkt auf Kindern und Jugendlichen.

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Klar ist, dass wir uns beim Onlineverhalten zuerst an die eigene Nase fassen sollten, bevor wir den Nachwuchs mit tiefen Sorgenfalten auf der Stirn betrachten. Doch wie wahrscheinlich ist es, dass wir dabei uns selbst auf dem Display erblicken? „Die Krux mit dem Smartphone, der Erziehung und der Vorbildfunktion lässt sich in einem Bild exemplarisch zusammenfassen“, schreibt Ulrich Feibel in Jetzt pack doch mal das Handy weg!: „dieser Moment, wenn du von deinem Smartphone aufschaust und dein Kind gerade auf sein Smartphone starrt.“ Er empfiehlt, so früh wie möglich über sexuellen Missbrauch, Fake News, Hate-Speech, Bots und Abzocke im Netz aufzuklären und auch mit dem Nachwuchs über Suchtgefahren zu sprechen. Ein Totalverbot hält der Autor für naives Wunschdenken: „Sicher, eine Kindheit ohne Smartphone, Internet und Fernseher ist möglich – nur eben verdammt unrealistisch.“

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Noch einen Schritt weiter geht Verena Gonsch in Digitale Intelligenz: Viele elterliche Sorgen ähnelten einer „digitalen Hysterie“, die sich vor allem aus einem Mangel an Kenntnissen speise; „Made in Germany ist auch die digitale Skepsis.“ Ihrer Meinung nach verklären deutsche Bildungsbürger die eigene vermeintlich kreativere, naturnähere Kindheit; sie schüren unbegründete Ängste und verbauen damit den eigenen Sprösslingen den Weg in eine erfolgreiche, digitale Zukunft. Die Folge: Mehr als die Hälfte der deutschen Jugendlichen wollen Beamte werden – junge Amerikaner hingegen Unternehmer.

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Also alles halb so schlimm? Nein, widerspricht die Cyberpsychologin Mary Aiken. Im Schnitt greifen Nutzer von Mobiltelefonen pro Woche 1500 Mal zum Handy. Das bleibt nicht ohne Folgen für unser Verhalten, online wie offline: „Das Cyber-Ich ist ein meisterhaftes Erzeugnis – es ist unterhaltsamer, geistreicher und von besserem Aussehen als das wahre Ich“, schreibt sie in Der Cyber-Effekt. Und die Programmierer und App-Designer wissen dieses Ich meisterhaft zu manipulieren. In Europa gelten 14 Prozent der Jugendlichen und in den USA 12 Prozent der Erwachsenen als zwanghafte Internetnutzer. Aikens Fazit: Kleinkinder unter drei sollten von sämtlichen Bildschirmen ferngehalten werden und Heranwachsende erst mit 13 ihr eigenes Handy bekommen. Noch eindringlicher aber sind ihre Forderungen nach einer deutlich stärkeren Regulierung und einem geschützten Internet für Kinder.

Wenn wir heute, am Safer Internet Day, nicht jetzt damit anfangen – wann dann?

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Edle Wilde und tumbe Toren

Der eine erfindet einen Wildwesthelden und macht sich dessen Charakter zu eigen. Der andere entwirft einen liebenswerten, aber tragischen Gutmenschen und formt ihn nach seinem eigenen Naturell. Karl Mays Winnetou-Romane und Fjodor M. Dostojewskis Der Idiot könnten, abgesehen von dieser biografischen Simultanität, unterschiedlicher nicht sein. Erfolgreich waren sie beide. Die Winnetou-Romane von Karl May waren […]

Edle Wilde und tumbe Toren
Young woman in library

Der eine erfindet einen Wildwesthelden und macht sich dessen Charakter zu eigen. Der andere entwirft einen liebenswerten, aber tragischen Gutmenschen und formt ihn nach seinem eigenen Naturell. Karl Mays Winnetou-Romane und Fjodor M. Dostojewskis Der Idiot könnten, abgesehen von dieser biografischen Simultanität, unterschiedlicher nicht sein. Erfolgreich waren sie beide.

Die Winnetou-Romane von Karl May waren die großen Pageturner des 20. Jahrhunderts. Eine Auflage von über 200 Millionen Exemplaren, Übersetzungen in über 40 Sprachen und der Ruhmestitel eines der weltweit am häufigsten übersetzten Autoren: Da kommen einige Superlative zusammen. Und dann die kuriose Biografie des Sachsen Karl May: Kleiner Trickbetrüger und Hallodri kommt zu Ruhm und Ehre durch fiktive Reiseerzählungen. Mit dem Erfolg inszenierte sich May dann immer häufiger selbst als der Held seiner Erzählungen, ließ durchblicken, dass er höchstpersönlich seine Figur Old Shatterhand sei, posierte mit nachgebautem Henry-Stutzen und Westmann-Kostüm. Was für eine PR-Story! Wer bislang Winnetou nur aus den überaus erfolgreichen Filmen der 1960er-Jahre kannte oder aus den auch heute noch sehr erfolgreichen Karl-May-Festspielen, sollte sich einmal die ursprünglichen Romane vornehmen.

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Hier geht´s zum Playmobil-Stück von Winnetou II von Sommers Weltliteratur to go.

Winnetou II ist nicht Fisch und nicht Fleisch – ein typisches Sequel eben

In den Winnetou-Romanen passiert genau das, was ein abenteuerhungriger Leser erwartet: Es wird leidenschaftlich gepirscht, angeschlichen, es wird geschossen, geprügelt und gejagt. In Winnetou I ist die Geschichte wie aus einem Guss: Hier lernen sich Old Shatterhand und der „edle Wilde“ Winnetou erstmals kennen, schließen die berühmte Blutsbrüderschaft und trennen sich am Ende des Bandes – der eine, Winnetou, um den Mörder seines Vaters und seiner Schwester zu finden, der andere, um einen Job als Privatdetektiv anzunehmen und damit einen ganz anderen Handlungsstrang aufzumachen. Die Geschichte in Winnetou II läuft etwas holprig, weil Karl May hier mehrere zuvor veröffentlichte Episoden zu einer neuen Geschichte verbunden hat, schließlich musste nach dem Bombenerfolg des ersten Teils schnell ein Sequel her. In Band 2 lässt Karl May den namensgebenden Häuptling der Apachen erst relativ spät auftauchen – und zeigt auch immer wieder seine „wilde“ Seite. Hier wird gegen so viele Indianerstämme gekämpft – inklusive Skalpierung der ärgsten Feinde –, dass einem schon ein wenig schwindelig werden kann. Der Unterhaltungswert ist aber durchgehend hoch. Den Abschluss der Geschichte erfährt der Leser dann in Winnetou III.

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Hier geht´s zum Playmobil-Stück von Der Idiot von Sommers Weltliteratur to go.

Dostojewskis Myschkin: zu gut für die Welt

Genau wie Karl May stattet auch Fjodor M. Dostojewski den Helden seines Romans Der Idiot mit biografischen Zügen aus. Genau wie der fortwährend mit der Armut kämpfende und vor seinen Gläubigern durch halb Europa fliehende Autor ist dessen Held Myschkin Epileptiker. Der Roman gilt als einer der ersten und gekonntesten psychologischen Romanen der Weltliteratur. Dostojewski entwirft mit dem verarmten Adligen Fürst Lew Nikolajewitsch Myschkin einen Charakter, der zu gut für die Welt ist – einen tumben Toren, der die Spielchen in der St. Petersburger Gesellschaft, die in der Mitte des 19. Jahrhunderts gespielt werden, nicht mitmachen will, nicht mitmachen kann. Alle sind entweder sadistisch oder hinter dem Geld her – oder beides. Dostojewskis Held ist dagegen ein naiver Don Quijote: Aufgerieben zwischen der Liebe zu zwei Frauen, die ihn manchmal lieben und manchmal verachten, realisiert er seine Fehler erst in der fatalen Zusammenkunft mit seinem dunklen Schatten Rogoschin und im Angesicht der Leiche jener Frau, die beide haben wollten: Der eine scheitert, weil er ihre Liebe verspielte, der andere, weil er sie sich mit Gewalt nehmen wollte. Rogoschin ist für die Welt zu böse, Myschkin zu gut. Der Roman ist ein sensationelles Gesellschaftsporträt, das Dostojewski vor allem mit seinen geschliffenen Dialogen zu gestalten wusste.

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Davos 2019: Risiko!

Seit 2006 veröffentlicht das Weltwirtschaftsforum (WEF) kurz vor seinem Jahrestreffen in Davos den globalen Risikobericht, und noch nie fiel dieser so düster aus wie in diesem Jahr: Wachsende geopolitische Spannungen, schwächelndes Wirtschaftswachstum, steigende Ungleichheit, zunehmender Populismus, rasanter technologischer Wandel und nicht zuletzt der Klimawandel stellten die Welt vor schwindelerregende Herausforderungen: „Von allen Risiken ist es […]

Davos 2019: Risiko!

Seit 2006 veröffentlicht das Weltwirtschaftsforum (WEF) kurz vor seinem Jahrestreffen in Davos den globalen Risikobericht, und noch nie fiel dieser so düster aus wie in diesem Jahr: Wachsende geopolitische Spannungen, schwächelndes Wirtschaftswachstum, steigende Ungleichheit, zunehmender Populismus, rasanter technologischer Wandel und nicht zuletzt der Klimawandel stellten die Welt vor schwindelerregende Herausforderungen: „Von allen Risiken ist es bei der Umwelt am offensichtlichsten, dass die Welt in eine Katastrophe steuert“, heißt es in dem Bericht. Bleibt die Frage, ob das den rund 2500 Teilnehmern aus Politik, Wirtschaft und Kultur zum heutigen Auftakt ihres Treffens in den schneebedeckten Schweizer Alpen nachhaltig die Laune verderben wird.

Das diesjährige Motto lautet: „Globalisierung 4.0: Gestaltung einer globalen Architektur im Zeitalter der vierten industriellen Revolution“. Klaus Schwab, WEF-Gründer und Vorsitzender, hat kürzlich seine Sorge zum Ausdruck gebracht, dass Europa beim Wettlauf in die digitale Zukunft endgültig abgehängt werden könnte. Er hält den aktuellen Handelskonflikt zwischen den USA und China in Wahrheit für einen Kampf der Giganten um die künftige Vorherrschaft in der Digitalwirtschaft. Was da auf uns zukommt, beschreibt er in Die Vierte Industrielle Revolution: kein simpler Umbruch, sondern eine Zeitenwende. „Die große Gefahr ist, dass es in einer hypervernetzten Welt mit wachsender Ungleichheit zu verstärkter Fragmentierung, Ausgrenzung und sozialen Unruhen kommt.“ Das schrieb Schwab Anfang 2016.

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Knapp drei Jahre später hat Donald Trump seine Teilnahme am WEF-Treffen aufgrund des Haushaltsstreits mit den Demokraten abgesagt, Emmanuel Macron möchte von den Gelbwesten-Protestlern zu Hause offenbar nicht Champagner trinkend inmitten der globalen Wirtschaftselite gesehen werden, und auch Theresa May, die im vergangenen Jahr in Davos noch eine flammendes Bekenntnis zum Freihandel abgab, hat momentan andere Sorgen.

Bei all dem scheint das laut Risikobericht dringendste Problem – die fortschreitende Zerstörung unseres Planeten – immer hinten anzustehen. Warum das so ist, erklärt Philipp Blom in Was auf dem Spiel steht: Der Mensch ist heute zuallererst Konsument. Er will Geld verdienen und es wieder ausgeben – alles andere ist für ihn zweitrangig. „Wir hausen in den verfallenden Strukturen eines Nachkriegstraums“, so Bloms vernichtendes Fazit. Um den Herausforderungen von Klimawandel und Digitalisierung zu begegnen, bräuchten wir einen radikalen Wandel. In Wahrheit wünschen wir uns jedoch, dass alles so bleibt, wie es ist.

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Aber ist die Lage der Welt so verzweifelt, wie uns WEF-Bericht und Medienberichterstattung weismachen wollen? Überhaupt nicht, argumentiert der 2017 verstorbene Medizinprofessor Hans Rosling in Factfulness. Unsere Wahrnehmung beruhe weniger auf Fakten als vielmehr auf dem Instinkt der Angst. Tatsächlich gibt es laut Rosling keine wachsende Kluft zwischen Arm und Reich, viele Geißeln der Menschheit wurden erfolgreich besiegt, und die Welt wird insgesamt immer besser.

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Also doch kein Grund zur Sorge? Den Fortschritt ohne Rücksicht auf seine Kosten zu loben, bringt uns keinen Meter weiter, entgegnet Chandran Nair auf der WEF-Website. Der Gründer des asiatischen Thinktanks Global Institute for Tomorrow plädiert dafür, Fortschritt ganz neu zu definieren – weg vom Wachstum um jeden Preis und hin zu einer ökologisch und sozial nachhaltigen Entwicklungspolitik. Interessant wäre es zu erfahren, was WEF-Gäste wie Brasiliens neuer Staatschef Jair Bolsonaro davon halten. Auf jeden Fall gilt: Es bleibt spannend in Davos!

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Neues Jahr, neue Wege zum Ziel

Kaum sind die letzten Raketen zum Jahresbeginn abgefeuert, da muss sich mancher eingestehen: Die im Vorjahr gesetzten Ziele werden schon bald verpuffen – wie der letzte uninspirierte Böller um 3 Uhr morgens im neuen Jahr. Dabei stand der Vorsatz felsenfest: Dieses Mal wird alles anders! Nur wie? John Doerr hat dazu die passende Formel gefunden: […]

Neues Jahr, neue Wege zum Ziel
Zugspitze Mountain, Snow, Winter, Ehrwald, Austria

Kaum sind die letzten Raketen zum Jahresbeginn abgefeuert, da muss sich mancher eingestehen: Die im Vorjahr gesetzten Ziele werden schon bald verpuffen – wie der letzte uninspirierte Böller um 3 Uhr morgens im neuen Jahr. Dabei stand der Vorsatz felsenfest: Dieses Mal wird alles anders! Nur wie?

John Doerr hat dazu die passende Formel gefunden: OKR – die „Objectives and Key Results“-Methode. In seinem Ted-Talk Das Geheimnis des Erfolgs: Die richtigen Ziele setzen erklärt er, dass die Ziele (Objectives) vorgeben, WAS Sie erreichen wollen; die Key Results zeigen Ihnen, WIE Sie dorthin gelangen. Entscheidend ist, dass Ihre Ziele spezifisch und zeitgebunden, ambitioniert und zugleich realistisch, messbar und verifizierbar sind. 1000 Mal probiert, 1000 Mal ist nichts passiert? Möglicherweise ist nicht die Methode, sondern die Umsetzung das Problem, denn funktioniert hat sie unter anderem für Google und den Rockstar Bono.

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Genau diesem wunden Punkt widmen sich die Autoren von Die 4 Disziplinen der Umsetzung: Wie verhindern Führungskräfte, dass sinnvolle Unternehmensziele nach kurzer Zeit im Sande verlaufen? Wie lassen sich die vielen kleinen Ablenkungen im Alltag umschiffen? Indem Sie Ihre Ziele ganz aus dem Tagesgeschäft heraushalten und sich nicht in tausend kleinen Nebensächlichkeiten verrennen. Anschließend kommen die vier Disziplinen der Umsetzung (4DX) ins Spiel

  1. Fokus auf ein oder zwei vorrangige Ziele legen
  2. Frühindikatoren erkennen, statt sich auf das Endergebnis zu versteifen
  3. Fortschritte messen, dokumentieren und sichtbar machen
  4. Verantwortlichkeit von Teammitgliedern für die Zielerreichung einfordern
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OKR und 4DX mögen für Unternehmer, Aktivisten und Führungskräfte Wunder wirken. Nur wie bekämpft man den eigenen, ganz persönlichen Schweinehund? Jenes verfluchte Wesen, das immer dann die Zähne fletscht, wenn man eingefahrene Gewohnheiten und Bequemlichkeiten zu überwinden versucht? Ganz einfach: Mit Grit, behauptet die amerikanische Psychologin Angela Duckworth, also Leidenschaft und Ausdauer. Vergessen Sie vermeintlich angeborene Talente. Wirklich erfolgreich sind nur Menschen, die beharrlich ihre Ziele verfolgen und hart dafür arbeiten: „Potenzial ist die eine Sache. Was wir daraus machen, ist eine ganz andere.“ Auch für Eltern hat die Autorin hilfreiche Ratschläge parat: Um bei den eigenen Kindern eine „grittige“ Einstellung zu fördern, sollten Sie Grenzen setzen und Freiräume schaffen, einen strengen und zugleich liebevollen Erziehungsstil pflegen.

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Natürlich klingt das auf dem Papier simpler als in der grittigen Wirklichkeit. Doch die Zielerreichung mit Methode anzugehen, ist immerhin erfolgversprechender als planlos auf Wunder zu hoffen. Möglich, dass dieses Mal wirklich alles anders wird: Zeit dafür bietet 2019 noch genug!

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Themen, die im Jahr 2019 bewegen: So können Sie mitreden

Das Jahr 2019 steckt in den Kinderschuhen und die Meldungen über gesellschaftliche und technologische Trends überschlagen sich. Wie soll man da noch den Überblick behalten? Die Redaktion von getAbstract empfiehlt fünf Bücher zu Trendthemen, die uns 2019 beschäftigen werden. Trend 1: Blockchain Blockchain wurde in der Vergangenheit fälschlicherweise häufig mit Kryptowährungen gleichgesetzt. Während die ein […]

Themen, die im Jahr 2019 bewegen: So können Sie mitreden
Businessman working in cafe. Sitting and reading magazine.

Das Jahr 2019 steckt in den Kinderschuhen und die Meldungen über gesellschaftliche und technologische Trends überschlagen sich. Wie soll man da noch den Überblick behalten?

Die Redaktion von getAbstract empfiehlt fünf Bücher zu Trendthemen, die uns 2019 beschäftigen werden.

Trend 1: Blockchain

Blockchain wurde in der Vergangenheit fälschlicherweise häufig mit Kryptowährungen gleichgesetzt. Während die ein oder andere Kryptowährung inzwischen taumelt, ist die dahinterstehende Technologie nach wie vor vielversprechend – und das für nahezu alle Branchen. Wer nach einem richtigen Lehrbuch sucht, das über eine reine Definition hinaus verständliche Erläuterungen zu den technischen Konzepten der Blockchain liefert, der sollte Blockchain-Grundlagen von Daniel Drescher lesen. Der Autor beantwortet Fragen wie: Welche Ideen stecken hinter der Blockchain, warum wird sie überhaupt benötigt und wieso funktioniert das System so gut?

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Trend 2: Künstliche Intelligenz (KI)

Bereits im Jahr 2018 war KI eines der großen Themen der Wirtschaftswelt, das uns laut Marktforschungsunternehmen wie Gartner und Forrester auch im Jahr 2019 begleiten wird. Überall dort, wo Daten hinsichtlich Trends, Mustern und neuen Zusammenhängen untersucht werden, wird es weiterhin viele praktische Anwendungen geben: beispielsweise die Durchführung von Risikoanalysen oder die Analyse des Kaufverhaltens von Kunden. Wer wissen will, auf welchem Stand die Technologie heute bereits ist und wo selbstständige Androiden und intelligente Computer bereits eingesetzt werden, dem legt die Redaktion folgendes Buch nahe: Smarte Maschinen von Ulrich Eberl. In dem Werk bettet der Autor den aktuellen Stand von KI in eine Science-Fiction-Geschichte ein.

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Trend 3: Klimawandel

Die fortschreitende Erderwärmung bringt das Wetter durcheinander und hat bereits heute negative Auswirkungen auf Landwirtschaft, Gesundheit, Wirtschaft und Umwelt. Deshalb sind nachhaltige Konzepte und nachhaltiges Handeln, um die Umwelt zu schützen, unbedingt notwendig. Die Aktivistin und Journalistin Naomi Klein wird, was das Thema Nachhaltigkeit anbelangt, etwas deutlicher. In ihrem Werk Die Entscheidung beschreibt sie, warum sich die Menschheit beim Klimaschutz keine Experimente
mehr leisten kann und weshalb marktorientierte Lösungen gescheitert sind. Nicht nur Unternehmen, sondern auch die Politik muss reagieren. Laut getAbstract ist das Buch ein absolutes Muss für jeden, der bei der wohl wichtigsten Debatte unserer Zeit mitreden will.

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Trend 4: New Work

Das Konzept „New Work“ wurde von Prof. Dr. Frithjof Bergmann entwickelt und bezeichnet die neue Arbeitsweise im globalen und digitalen Zeitalter. Bergmann beschäftigte sich mit der Frage nach der Freiheit der Menschen. Diese werden mit der Frage konfrontiert: „Was willst du in Zukunft im Arbeitsleben machen?“ Das Redaktionsteam von getAbstract empfiehlt New Work: Auf dem Weg zur neuen Arbeitswelt von Benedikt Hackl, Marc Wagner, Lars Attmer und Dominik Baumann allen, die auf der Suche nach einem Wegweiser sind, wie sich das New-WorkKonzept umsetzen lässt. Das Buch widmet sich unter anderem dem demografischen Wandel, der Globalisierung, der Digitalisierung und der Entwicklung überkommener Werte und beschreibt, wie diese Aspekte die Gesellschaft und die Wirtschaft umbrechen.

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Trend 5: Weltpolitik im digitalen Zeitalter

Der Hashtag „Brexit“ war 2018 einer der wohl meist genutzten auf Twitter. Dieses Beispiel zeigt, dass sich Politik in Zeiten der Digitalisierung unmittelbarer abspielt und sich jeder durch Social Media an Diskussionen beteiligen kann. Wie sich der politische Diskurs durch das Smartphone ändert, beschreiben Adrienne Fichter und ihre Co-Autoren in Smartphone-Demokratie und beleuchten dabei unterschiedliche Aspekte dieses Phänomens: Warum bedroht das als demokratische Errungenschaft gefeierte Internet die Basis unserer politischen Meinungsbildung und was können wir tun, um die Instrumente der digitalen Welt wieder für mehr Demokratie zu nutzen?

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Kulturwandel jetzt!

Jedes vierte Unternehmen in Deutschland sieht sich durch die Digitalisierung in seiner Existenz bedroht. Die einen prophezeien, dass knapp die Hälfte aller Berufe obsolet werden könnten – die anderen versprechen netto sogar noch mehr und bessere Jobs. Fakt ist: Die Digitalisierung krempelt heute schon ganze Branchen um. Deshalb sollten Unternehmenslenker ihre Strategie eher früher als […]

Kulturwandel jetzt!
Shot of a young businessman using a digital tablet in a modern office

Jedes vierte Unternehmen in Deutschland sieht sich durch die Digitalisierung in seiner Existenz bedroht. Die einen prophezeien, dass knapp die Hälfte aller Berufe obsolet werden könnten – die anderen versprechen netto sogar noch mehr und bessere Jobs. Fakt ist: Die Digitalisierung krempelt heute schon ganze Branchen um. Deshalb sollten Unternehmenslenker ihre Strategie eher früher als später überdenken, fordert der Managementcoach und Autor von Singularity Leadership, Jan Brecke.

[maxbutton id=“9″ url=“ https://www.getabstract.com/de/zusammenfassung/singularity-leadership/34571? af=getabstract_blog “ ]

getAbstract: Die durchschnittliche Lebenserwartung von Unternehmen sinkt erheblich. Ist das Ihrer Meinung nach gut oder schlecht?

Alles eine Frage der Perspektive! Für den Verbraucher muss es nicht negativ sein, dass sich Unternehmen aufgrund höherer Konkurrenz mehr anstrengen müssen. Für Unternehmenslenker aber ist es ein existenzielles Problem, einen Trend zu verpassen. Und fast alle Vorstandsvorsitzenden haben berechtigterweise große Sorge, die Digitalisierung zu verschlafen.

getAbstract: Sie fordern, in Kreativität zu investieren, um den Überlebenskampf zu gewinnen. Früher galt Kreativität eher als Gottesgeschenk. Wie „investiert“ man darin?

Kreativität ist sicher auch eine Frage von Talent. Mir geht es in diesem Punkt aber eher darum, dass Unternehmen ihren Mitarbeitern Arbeitszeit bereitstellen sollten, um kreativ und out-of-the-box zu denken. Das allein ist eine große Investition, zahlt sich aber langfristig aus. Zu kreativen Ideen braucht es nämlich Ruhe und Gelassenheit, und die Schwierigkeit besteht für die meisten darin, in der Hektik des Tagesgeschäfts keine Zeit für Kreativität zu finden.

getAbstract: In Deutschlands etablierten Unternehmen verfügen 92 Prozent der Führungskräfte über keinerlei digitale Erfahrung. Müssen die nun alle ihre Plätze räumen?

Nein, aber es braucht einen guten Mix aus digital versierten und nicht versierten Führungskräften – und viel Toleranz füreinander. Es gibt Unternehmenslenker, die mithilfe der Digitalisierung vor allem Kosten einsparen möchten und einen Kulturwandel völlig außer Acht lassen. Doch das ist zu kurz gesprungen. Ich habe eine Menge Unternehmen erlebt, die innerhalb kürzester Zeit ihr Kerngeschäft völlig umstellen mussten. Wenn etwa ThyssenKrupp keinen Stahl mehr produziert, dann wirkt sich das auf die gesamte Organisation und natürlich auch auf die Belegschaft aus. Definitiv funktioniert ein solcher Umbruch nicht ohne kulturellen Wandel!

getAbstract: Können Sie ein Beispiel für ein agil geführtes Unternehmen nennen – und weshalb es gegenüber traditionellen Unternehmen die Nase vorn hat?

In meinem Buch beschreibe ich etwa die Firma Automattic: Mitarbeiter verfügen hier über alle Daten im Unternehmen und können jederzeit die Software von WordPress verbessern. Es gibt kaum Hierarchien und Titel sowie ein hohes Maß an Gleichberechtigung und einen guten Wertekanon. Vor allem deshalb zeigen die Mitarbeiter eine hohe intrinsische Motivation.

getAbstract: Glauben Sie, dass auch Ihre Existenz als Managementcoach durch die technologische Singularität bedroht ist?

Die Frage ist durchaus berechtigt! Automatisierung bedroht letztlich alle standardisierbaren Jobs. Nehmen Sie den Beruf des Kochs. Kreative Sterneköche werden auch weiterhin Zulauf haben, denn hier gibt es Kunden, die bereit sind, für außergewöhnliche Leistungen einen hohen Preis zu zahlen. Für Kantinenköche gilt das nicht zwangsläufig, da ein Teil ihrer Arbeit auch von intelligenten Geräten nach dem Thermomix-Prinzip erledigt werden kann. Analog dazu wird es auch im Coaching verstärkt Standard-Lösungen wie Kurz-Coaching geben, das schon heute virtuell und online stattfindet. Künstliche Intelligenz kann jedoch keine Empathie entwickeln und individuell auf einen Menschen eingehen. Das leistet nur ein Coach aus Fleisch und Blut, und daran wird sich so bald nichts ändern.

getAbstract: Was raten Sie einem mittelständischen Unternehmer, der seine Organisation umbauen möchte?

In meinem postsingulären Manifest gebe ich zehn Handlungsempfehlungen für einen unternehmerischen Kulturwandel. In absoluter Kürze: Formulieren Sie authentische Unternehmenswerte und leben diese vor. Wählen Sie Führungskräfte aus, die sich durch hohe emotionale und intuitive Intelligenz auszeichnen. Fördern und trainieren Sie diese Eigenschaften. Trennen Sie die Innovation vom Standardgeschäft und führen Sie Innovatoren agil, weniger hierarchisch und projektbezogen. Und schließlich: Entwickeln Sie eine Unternehmenskultur, in der Mitarbeiter auch Fehler machen dürfen, von denen die gesamte Organisation lernen kann.

 

Über den Autor

Jan Brecke arbeitet als Managementcoach und Berater mit einem Schwerpunkt auf der Zukunftsfähigkeit von Organisationen im digitalen Zeitalter. Zuvor war er 15 Jahre lang als Manager für große Unternehmen tätig.

 

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70 Jahre AEMR: das Recht, ein Mensch zu sein

„Ihr System ist anfälliger, als Sie glauben“, sagt der chinesische Politikwissenschaftler Zhang Weiwei in der kürzlich ausgestrahlten ZDF-Doku Unantastbar – Der Kampf für Menschenrechte. „Mit Blick auf die Geschichte sage ich, dass Ihre liberale Demokratie eine vorübergehende Sache sein könnte.“ Weiwei kann sich einen triumphierenden Unterton nicht verkneifen. Zuvor hat er deutlich gemacht, was er […]

70 Jahre AEMR: das Recht, ein Mensch zu sein
closeup of a piece of paper with the text I am hungry in the hands of a caucasian man

„Ihr System ist anfälliger, als Sie glauben“, sagt der chinesische Politikwissenschaftler Zhang Weiwei in der kürzlich ausgestrahlten ZDF-Doku Unantastbar – Der Kampf für Menschenrechte. „Mit Blick auf die Geschichte sage ich, dass Ihre liberale Demokratie eine vorübergehende Sache sein könnte.“ Weiwei kann sich einen triumphierenden Unterton nicht verkneifen. Zuvor hat er deutlich gemacht, was er als stolzer Vertreter eines Regimes, das in nur einer Generation 600 Millionen Menschen aus bitterer Armut befreit hat, von der am 10. Dezember 1948 verabschiedeten Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte (AEMR) hält: rein gar nichts. Für China, die Weltmacht des 21. Jahrhunderts, sei diese irrelevant.

Der britische Historiker Timothy Garton Ash sieht das naturgemäß anders. In seinem Buch Redefreiheit schreibt er: „Der Kampf um die Wortmacht ist auch ein Kampf um die Weltmacht.“ Trotz aller beunruhigenden Signale gibt er sich in dem im Frühjahr 2016 erschienenen Buch vorsichtig optimistisch. Für ihn ist unbestreitbar: Die Freiheit der Rede und Gedanken ist eine der wichtigsten Errungenschaften des Liberalismus. Ja sie ermöglicht es uns erst, Mensch zu sein. Auslöser des Buchprojekts war die Erkenntnis, dass der westliche Universalismus eines Updates bedarf. Daraufhin entwickelte der Autor in einem Crowdsourcing-Projekt zehn Prinzipien der Meinungsfreiheit für eine vernetzte Welt auf der Grundlage globaler Werte.

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Noch umfassender fällt die Verteidigung des westlichen Werteprojekts in Aufklärung jetzt aus: Der Menschheit geht es nach Ansicht des Psychologieprofessors Steven Pinker – allen Fortschritts- und Ökopessimisten, allen Trumps, Orbans und Brexiteers zum Trotz – besser als je zuvor. Unseren Wohlstand und unsere Freiheiten verdankten wir jedoch einzig dem im 18. Jahrhundert begonnenen Projekt der Aufklärung, das mit dem Glauben an universelle Menschenrechte begann und vor 70 Jahren in der AEMR gipfelte.

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Genau diesen Glauben findet der Risikoforscher, Ex-Trader und wortgewaltige Pinker-Gegner Nassim Nicholas Taleb nicht nur hoffnungslos naiv, sondern sogar richtig schäbig: In Das Risiko und sein Preis verwirft er die von westlichen Intellektuellen und Interventionisten beschworene universalistische Moral als praktisch wertlos. Zutiefst menschlich sind laut Taleb eher Stammesdenken und aufopfernder Einsatz für das unmittelbare Umfeld. Wer diese Eigenschaften ignoriere, der provoziere Bürgerkriege und moderne Sklaverei: „Es ist einem instinktiv klar, dass Menschen besser miteinander auskommen, wenn sie Nachbarn und nicht Zimmergenossen sind.“

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Was also bleibt, 70 Jahre nach dem historischen Tag in Paris? In der oben zitierten Doku werden zahlreiche Dissidenten, Journalisten und Aktivisten porträtiert, die Artikel 1 der AEMR – „Alle Menschen sind frei und gleich an Würde und Rechten geboren“ – täglich mit neuem Leben füllen und ihre Haut dafür aufs Spiel setzen. Aber dürfen wir uns damit zufriedengeben? Wohl kaum. Der vor Selbstbewusstsein strotzende Zhang Weiwei jedenfalls sieht die liberale Demokratie bereits am Ende: „Gehen Sie besser nicht davon aus, dass die hält. Sie hängt von zu vielen Voraussetzungen ab: zum Beispiel von verantwortungsbewussten Bürgern. Ohne die stecken Sie in großen Schwierigkeiten.“

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Ein Fest für die Literatur

„Unsere Weihnacht ist, von den paar wirklich Frommen abgesehen, ja schon wirklich lange eine Sentimentalität. Zum Teil ist sie noch Schlimmeres geworden, Reklameobjekt, Basis für Schwindelunternehmungen, beliebtester Boden für Kitschfabrikation.“ Dieses Zitat stammt nicht etwa aus einem aktuellen FAZ-Leitartikel oder der ARD-Sendung Das Wort zum Sonntag – es war Hermann Hesse, der seinen Landsleuten schon […]

Ein Fest für die Literatur

„Unsere Weihnacht ist, von den paar wirklich Frommen abgesehen, ja schon wirklich lange eine Sentimentalität. Zum Teil ist sie noch Schlimmeres geworden, Reklameobjekt, Basis für Schwindelunternehmungen, beliebtester Boden für Kitschfabrikation.“ Dieses Zitat stammt nicht etwa aus einem aktuellen FAZ-Leitartikel oder der ARD-Sendung Das Wort zum Sonntag – es war Hermann Hesse, der seinen Landsleuten schon vor 101 Jahren die Weihnachtsleviten las.

Als Chronist der bürgerlichen Weihnacht, von der Hesse hier spricht, gilt Thomas Mann, der mit seinen Buddenbrooks den Niedergang einer Kaufmannsfamilie beschrieb. Heute kann man im Lübecker Buddenbrookhaus, dem Wohnhaus seiner Großeltern, „Weihnachten bei Buddenbrooks“ feiern und unter dem originalgetreuen Christbaum „geschmückt mit Silberflittern und großen weißen Lilien“ einer Lesung des berühmten Weihnachtskapitels aus dem Roman lauschen. Es beginnt mit den bedeutungsschwangeren Worten: „Die Vorzeichen mehrten sich.“ Zwischen Flittergold, Marzipan und Braunem Kuchen nimmt das Wunder, erzählt aus der Sicht des kleinen Hanno, seinen Lauf – eines, das inmitten feierlicher Rituale und reich geschmückter Gabentische bereits die Vorzeichen des Verfalls in sich trägt. Es ist bemerkenswert, dass ausgerechnet der nüchterne, distanziert-ironische Thomas Mann den vielleicht schönsten und stimmungsvollsten Heiligabend in der deutschen Literaturgeschichte beschrieb – ein Fest, das sich nachzulesen lohnt.

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Wer die prächtige, von Kerzenlicht erleuchtete Bürgerstube verlassen und sich hinaus in die wilde, winterliche Natur begeben möchte, kann das mit Adalbert Stifters Biedermeier-Erzählung Bergkristall tun. Es ist die Geschichte eines Geschwisterpaars, das am Heiligabend auf einem Berg in ein Schneetreiben gerät, sich in eine Gletscherhöhle rettet – und am nächsten Morgen ein Weihnachtswunder erlebt, als die Bewohner der verfeindeten Dörfer ihrer Eltern Frieden schließen. Stifter hat mit der schroffen Schnee- und Eiswelt eine der eindrucksvollsten literarischen Winterlandschaften überhaupt geschaffen: „Die Schneewolken waren ringsum hinter die Berge hinabgesunken, und ein ganz dunkelblaues, fast schwarzes Gewölbe spannte sich um die Kinder voll von dichten, brennenden Sternen, und mitten durch diese Sterne war ein schimmerndes, breites, milchiges Band gewoben, das sie wohl auch unten im Tale, aber nie so deutlich gesehen hatten.“ Die Botschaft, zur Weihnachtszeit Grenzen zwischen Nachbarn und Mauern in den Köpfen zu überwinden, mag angesichts der weltpolitischen Lage naiv erscheinen – doch liegt nicht darin der Zauber dieser Zeit?

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Das findet auch Fred, Ebenezer Scrooges Neffe im Weihnachtslied von Charles Dickens, als er seinem Onkel am Heiligen Abend frohe Weihnachten wünscht und ihn zum Essen einlädt. „Fröhliche Weihnachten?“, entgegnet der grimmige Geizhals, der ein Jahrhundert später für die Figur Dagobert Ducks Pate stehen sollte. „Was für ein Recht hast du, fröhlich zu sein? … Du bist arm genug.“ Auch in dieser weltberühmten Geschichte geht um ein Weihnachtswunder – das eines Misanthropen, der als Menschenfreund wiedergeboren wird. Anders als Stifter in seiner zwei Jahre zuvor erschienenen Erzählung verkündete Dickens 1845 eine nicht nur moralische, sondern auch gesellschaftskritische Botschaft, die sein Zeitgenosse Karl Marx enthusiastisch begrüßte: Armut inmitten von Überfluss ist eine Schande.

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Auf jeden Fall ist Weihnachten mit seinen reichen Ritualen, verkorksten Familienfesten und gelebter Nächstenliebe ein ergiebiger Stoff, an dem sich die meisten großen Schriftsteller der Weltliteratur abgearbeitet haben. Nicht einmal Hesse wollte seinen Lesern völlig den Spaß verderben. „Zündet euren Kindern die Weihnachtsbäume an! Lasset sie Weihnachtslieder singen!“, schrieb er in dem oben zitierten Text weiter. „Aber betrüget euch selber nicht, seid nicht immer und immer wieder zufrieden mit diesem ärmlichen, sentimentalen, schäbigen Gefühl, mit dem ihr eure Feste alle feiert! Verlangt mehr von Euch!“

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Schöne Bescherung: Positivstress und Achtsamkeit

Spekulatius im September, Oblatenlebkuchen im Oktober und Nussknacker im November – niemand darf jetzt noch ernsthaft behaupten, nicht vorgewarnt gewesen zu sein. Doch dann geht es trotz der vielen Vorzeichen in den Supermarktregalen plötzlich ganz schnell und Weihnachten steht vor der Tür! Manche genießen diese Zeit aus vollem Herzen. Unsere zehnjährige Tochter zum Beispiel: Sie […]

Schöne Bescherung: Positivstress und Achtsamkeit

Spekulatius im September, Oblatenlebkuchen im Oktober und Nussknacker im November – niemand darf jetzt noch ernsthaft behaupten, nicht vorgewarnt gewesen zu sein. Doch dann geht es trotz der vielen Vorzeichen in den Supermarktregalen plötzlich ganz schnell und Weihnachten steht vor der Tür! Manche genießen diese Zeit aus vollem Herzen. Unsere zehnjährige Tochter zum Beispiel: Sie hat schon Anfang November die verbleibenden Tage bis Weihnachten und Neujahr auf das Familien-Whiteboard gekritzelt und kreuzt täglich voller Vorfreude eine weitere Zahl durch. Jede freie Minute bastelt sie an Geschenken. Gestern verkündete sie, dass sie schon fast alles fertig habe. Ich selbst beneide sie um ihren lustvollen und gelassenen Umgang mit der Vorweihnachtszeit. Egal wie oft ich Besserung schwöre – die letzten Wochen arten für mich dann doch häufig in Stress aus.

„Na und?“, fragt Urs Willmann in Stress und erklärt, warum die zwangsläufige Begleiterscheinung der Moderne zu Unrecht einen so schlechten Ruf genießt. Oft genug setzen wir uns dem Stress bewusst aus: Etwa, wenn wir einen Thriller anschauen oder Grenzerfahrungen im Sport suchen. Oder denken Sie an Ihre erste Liebe, den Hauskauf oder eine gelungene berufliche Herausforderung – alles stressige Situationen, die Ihnen hoffentlich am Ende ein Glücksgefühl bescherten. Willmann empfiehlt Leidenschaft statt Entschleunigung. Denn: „Wer nichts tut oder nichts tun kann, leidet am häufigsten unter Stress.“ Entscheidend ist, dass kurzzeitiger Stress nicht in Dauerstress ausartet.

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Positivstress und Achtsamkeit schließen einander übrigens nicht zwangsläufig aus. Vielmehr ist die bewusste Wahrnehmung im Hier und Jetzt eine hilfreiche Ergänzung zur Stressumdeutung: „Achtsamkeit übt und bewirkt Gelassenheit“, schreibt Ralf Braun in Mindful@work. Indem Sie sich auf den Moment und Ihren Atem konzentrieren, Multitasking vermeiden und regelmäßig Pausen machen, kämpfen Sie gegen den Eindruck, fremdbestimmt zu handeln – ein Zustand, der bekanntermaßen negativen Dauerstress zur Folge hat.

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Dass diese wenig erforschte Methode zum Umgang mit Stress nicht für jeden geeignet ist, darauf weist Dawn Foster im Guardian-Artikel Macht Achtsamkeit uns krank? hin. Vor allem bei Menschen, die bereits unter seelischen Störungen leiden, kann die konzentrierte Selbstbeobachtung durch Meditation mehr schaden als nutzen.

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Warum aber bereitet uns der bloße Gedanke an die Zeit und daran, wie wir sie am sinnvollsten ausfüllen, überhaupt so viel Stress? Dieser Grundsatzfrage geht Thomas Vašek in Zeit leben nach. Eigentlich ist es ein Paradox: Durch technische Hilfsmittel „sparen“ wir immer mehr Zeit ein – und fühlen uns gehetzter denn je. Laut Vašek müssen wir zunächst die Vorstellung begraben, Zeit sei eine objektive, lineare und planbare Ressource: „Jeder Mensch empfindet die Zeit anders. Wir alle haben unsere Eigenzeit.“ Es gilt, Puffer für Unvorhergesehenes und Abwehrstrategien gegen Zeitdiebe in sein Leben einzubauen. Und wir sollten uns klarmachen, wie und mit wem wir unsere Zeit am liebsten verbringen.

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Klingt gut. Ein Blick auf die Kreuze am Whiteboard sagt mir aber: 26 Mal werden wir noch wach – heißa dann ist Weihnachtstag! Eine halbe Ewigkeit für unsere Tochter. Und höchste Zeit für mich, endlich mit einigen Vorbereitungen zu beginnen …

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