Und es hat Zoom gemacht!

Videochat-Tools wie Zoom, Teams & Co. bieten viele Vorteile. Doch sie haben auch negative Effekte – zum Beispiel Zoom-Fatigue.

Und es hat Zoom gemacht!

Konstante Bildschirmarbeit tut den Augen nicht gut – das wissen wir zwar alle, können oder wollen die langen Zeiten vor Computer, Tablet und Smartphone aber nicht verringern. In den letzten eineinhalb Jahren haben viele von uns den kompletten Arbeitstag vor dem Bildschirm verbracht, und während Konferenzen, Meetings, Trainings und Seminare früher noch in Tagungs- und Büroräumen stattfanden, haben wir die Kollegen nun zu uns nach Hause eingeladen – einladen müssen. Zoom, Teams & Co. sind aus den Homeoffices dieser Welt nicht mehr wegzudenken.

Doch viele digitale Meetings am Stück machen müde – so der Tenor von Kollegen und Freunden, und auch man selbst merkt, dass da irgendetwas mit einem passiert. Studien zeigen, dass rund sechs von zehn Menschen mittlerweile unter der sogenannten Zoom-Fatigue leiden. Erste Anzeichen, dass es einen erwischt hat, sind: Reduktion der Konzentration, Ungeduld und steigende Reizbarkeit. Kommen Kopfschmerzen, Rückenschmerzen und Sehstörungen hinzu, sind das untrügliche Signale, dass die Zoom-Fatigue schon fortgeschritten ist. Und wen es ganz arg trifft, der leidet auf Dauer unter Magenschmerzen, Schlafstörungen und zeigt andere psychosomatische Krankheitsbilder.

Der gesetzeskonforme Arbeitsplatz

Klingt nicht wirklich verlockend, oder? Auf der anderen Seite: Was können wir tun? Es bleibt uns ja nichts anderes übrig, solange wir aufgrund der Pandemie mit Einschränkungen in unserer Beweglichkeit leben müssen. Und auch danach werden viele von uns Teile der Arbeit aus dem Homeoffice erledigen. Den Bildschirm einfach abschalten – das ist keine Option.

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Was aber möglich ist: Wir selbst können (und sollten) bewusster arbeiten lernen. Das heißt: den eigenen Arbeitsalltag so gestalten, dass es auch genügend Pausen gibt. Das ist auch kein freundlicher Ratschlag aus der getAbstract-Redaktion, sondern sogar gesetzlich vorgeschrieben. Die deutsche Bildschirmarbeitsverordnung – BildscharbV hat zudem noch weitere Auflagen mit Blick auf einen gesetzeskonformen Arbeitsplatz in petto. Schwierig: Viele davon lassen sich im Homeoffice gar nicht umsetzen – so sind Arbeitgeber beispielsweise verpflichtet, einen ergonomischen und standsicheren Stuhl, eine große und reflexionsarme Arbeitsfläche sowie ausreichend Raum und eine gute Beleuchtung sicherzustellen. Ebenso steht in der Verordnung:

Der Arbeitgeber hat die Tätigkeit der Beschäftigten so zu organisieren, dass die tägliche Arbeit an Bildschirmgeräten regelmäßig durch andere Tätigkeiten oder durch Pausen unterbrochen wird, die jeweils die Belastung durch die Arbeit am Bildschirmgerät verringern.

Bildschirmarbeitsverordnung

Nein, mit diesen Pausen ist nicht gemeint, nebenbei noch dem Kind beim Homeschooling zu helfen. Oder das Baby auf dem Arm zu wiegen bzw. schnell das Mittagessen für die ganze Familie zu organisieren.

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In der Coronakrise hat sich das Homeoffice bewährt. Jetzt heißt es Nägel mit Köpfen machen.

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Der eigenverantwortliche Arbeitsplatz

Zwischenfazit: Viele Arbeitgeber versuchen zwar, den Mitarbeitern die Arbeit im Homeoffice unter guten Voraussetzungen zu ermöglichen, doch das klappt leider nicht immer. Zumal sich manche Gesetze und Auflagen auch gegenseitig ausschließen: So darf ein Arbeitgeber beispielsweise nicht in die privaten Räumlichkeiten seiner Arbeitnehmer Einsicht nehmen, geschweige denn darf er sie betreten. Sprich, er kann gar nicht überprüfen, wie der Arbeitsplatz aussieht, wenn Sie es ihm nicht ausdrücklich erlauben. Ihm bleibt also „nur“ übrig, zumindest für die Technik (Hard- wie auch Software) die Verantwortung zu übernehmen. Bei der Gestaltung des Arbeitsplatzes aber kann er nur an die Eigeninitiative des Mitarbeiters appellieren, selbst Sorge für sich zu tragen.

Und damit liegt der Ball wieder bei uns. Wer seinen Arbeitstag achtsamer gestalten, die Bildschirmzeit regulieren und für die notwendigen Pausen sorgen will, kann sich dabei einfach selbst unter die Arme greifen. So hilft es zum Beispiel schon, wenn Sie regelmäßig aufstehen, aus dem Fenster schauen, im Idealfall kurz vor die Tür gehen und durchatmen.

Auch eine Kaffeepause ohne Blick auf das Handy ist erholsam für die Augen und den Geist. Ein kurzes Gespräch mit einer Freundin, einem Freund – am Gartenzaun oder am Telefon – sorgt für Abwechslung. Sicher schränken uns gewisse Corona-Auflagen in unserer Beweglichkeit ein, aber wir haben es selbst in der Hand, wie wir damit umgehen. In jedem Fall lohnt es sich, kreativ zu sein und das Beste daraus zu machen.

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Die Wohnzimmer-AG

Der Transfer ins Homeoffice lief durchaus glatt, mit der Anpassung des Arbeitsrechts hapert es noch.

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Was hilft

Abschließend noch einige Dinge, die gegen Zoom-Fatigue helfen können und Sie dabei unterstützen, die Arbeit im Homeoffice zu gestalten:

  1. Anzahl von Videocalls minimieren: Es muss nicht immer ein Videocall sein, manchmal reicht es auch, die Informationen via E-Mail zu versenden. Fragen Sie sich daher vor jedem Call, ob es ihn wirklich (oder ob es darin Ihre Anwesenheit) braucht.
  2. Auf die anderen Teilnehmer konzentrieren: Wenn wir uns selbst während eines Videocalls im Video sehen, konzentrieren wir uns schnell nur noch auf unsere Gestik und Mimik und schweifen mit den Gedanken ab. Wir bekommen weniger davon mit, was besprochen wird – und diese Fokussierung auf die eigene Person macht müde. Schauen Sie bewusst auf die Videos der anderen und konzentrieren Sie sich auf das, was sie sagen.
  3. Arbeitstag organisieren: Legen Sie am Abend fest, was Sie am nächsten Tag tun wollen/müssen. Sprechen Sie sich dabei mit Ihrem Partner – der vielleicht ebenfalls im Homeoffice sitzt – ab, sodass sowohl gemeinsame Zeit möglich ist als auch die Kinderbetreuung organisiert werden kann.
  4. To-do-Listen schreiben: Egal ob klassisch auf dem Papier oder in digitaler Form – eine To-do-Liste hilft dabei, den Überblick zu behalten und auch Aufgaben nach Priorität zu beurteilen.
  5. Pausen machen: Stellen Sie sich einen Wecker und machen Sie nach 25 Minuten Arbeit eine 5-minütige Pause bzw. nach 50 Minuten Arbeit eine 10-minütige. Das stellt Ihren Fokus wieder her und macht Sie bereit für das nächste Meeting.
  6. Soziale Kontakte pflegen: Sicher sind viele Ihrer Kollegen nett, aber suchen Sie bewusst auch den Kontakt zu Freunden und Bekannten. Vereinbaren Sie beispielsweise einen regelmäßigen Austausch mit dem besten Freund, der besten Freundin. Das kann je nach Situation ein Spaziergang sein, ein Getränk am Abend oder gemeinsames Kochen daheim.

Mehr zum Thema in unserem Gespräch mit Cal Newport:

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