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„Zuhören ist das Schwierigste, was es gibt.“

Verantwortung für die eigene Kommunikation übernehmen, das war noch nie so wichtig wie derzeit, findet Patrick Nini. Er erklärt, worauf es dabei ankommt und wie jede und jeder von uns zu einem besseren Diskussionsklima beitragen kann.

„Zuhören ist das Schwierigste, was es gibt.“

Herr Nini, in Ihrem Buch „Dialog statt Spaltung“ rufen Sie zu verantwortungsvoller Kommunikation auf. Aber was ist das eigentlich genau?

Patrick Nini: Für mich bedeutet verantwortungsvolle Kommunikation, dass Sie dabei das große Ganze sehen. Nehmen wir das aktuellste Beispiel: Covid-19. Wenn es um die Maßnahmen, die zum Schutz dagegen ergriffen werden, geht, haben Sie Menschen, die tragen zur Bewertung derselben die Wirtschaftsbrille, andere schauen durch die Brille der Psychologie, weitere durch die der Virologie. Jeder bewegt sich in seinem eigenen Feld und schaut oft nicht über den Tellerrand, um die Sicht der anderen zu verstehen. Ein anderer Teil der Verantwortung ist, sich Gedanken dazu zu machen, was man mit Worten und Taten auslösen kann – besonders wenn man dabei nur seine „Brille“ auf der Nase hat. Verantwortungsvolle Kommunikation ist also vor allem bewusste Kommunikation, die auch andere Meinungen akzeptiert und respektiert.

Auf Ihr Beispiel eingehend: Wo, würden Sie sagen, ist in dieser Pandemie verantwortungsvoll kommuniziert worden?

Das ist schwer zu bewerten. Wenn es ums Impfen geht, gibt es auf beiden Seiten Extremisten, und dazwischen befinden sich unzählige andere Meinungsgruppen. Persönlich aber glaube ich, dass Politik und Medien Ursachen und Wirkungen der Krankheit und ihrer Bekämpfung besser hätten kommunizieren können – dann hätte man damit auch mehr Menschen erreicht.

Verantwortungsbewusst fand ich die Kommunikation in der Zeit, in der es nur um die Sache ging – darum, den gemeinsamen Feind zu besiegen. Das war die Zeit, in der Ideologien hintangestellt wurden und in der jedem und jeder klar war, es wird immer neue wissenschaftliche Erkenntnisse geben. Verantwortungsvoll finde ich auch mutige und unpopuläre Entscheidungen und den Mut, diese zu verteidigen und zu kommunizieren. Doch im darauffolgenden Konzert des Alarmistischen ist ja enorm viel untergegangen in den letzten Monaten, und das veranschaulicht ein Problem, mit dem unsere Gesellschaften nicht erst seit Covid kämpfen. Die wichtige Frage ist: Wie geht man mit den Medien um?

Es zeigt sich, dass Senioren in dieser Pandemie mehr Fake News teilen.

Patrick Nini

Der Grund: Früher wurden die Informationen aus einer Zeitung bezogen und die Redaktion hat die journalistische Verantwortung für die gelieferten Information übernommen. Ein Artikel in der Zeitung wurde daher kaum hinterfragt. Bei einer x-beliebigen Website ist das anders. Hier müsste der Leser oder die Leserin die journalistische Verantwortung übernehmen, was aber selten passiert. Grundsätzlich lässt sich sagen, dass uns allen eine in der Schule gelernte Medienkompetenz in diesen Zeiten sehr gut täte.

Fake News – das Thema hat in der Pandemie noch einmal an Brisanz gewonnen. Wie kann ich mich selbst davor schützen?

In unserer Gesellschaft wird Meinungsfreiheit sehr hochgehalten, und das ist zunächst mal gut so. Dennoch muss ich nicht zu allen Dingen eine Meinung haben. Kann ich auch gar nicht. Ich kann nicht in allen Dingen ein Experte sein, und oft fehlt mir das Hintergrundwissen. Ich selbst halte es so, dass ich mir immer sehr genau die Quellen anschaue. Und ja, bei den Medien vertraue ich noch auf die öffentlich-rechtlichen. Werden Studien genannt, recherchiere ich deren Ursprung. Werden Namen genannt, schaue ich, in welchem Bereich diese Person ihre Expertise hat. Verantwortungsvolle Kommunikation ist also vor allem: Arbeit. Es braucht Zeit und Geduld. Und beides fehlt leider vielen Leuten, weshalb die Qualität der erfolgreich herumgereichten Informationen sinkt.

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Zusammenfassung (Buch)

Dialog statt Spaltung!

Mit verantwortungsvoller Kommunikation Gräben überwinden.

Patrick Nini GABAL
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Sie sprachen die Medienkompetenz schon an. Social Media und andere digitale Kanäle machen es uns sehr einfach, Dinge zu teilen oder auch zu kommentieren – in manchem Fall geht das auch anonymisiert. Schadet das unserer Kommunikation?

Social Media und die digitalen Kanäle machen uns die Kontaktaufnahme unkompliziert, das hat sicher dazu geführt, dass die Förmlichkeit bei der Kommunikation zu einem großen Teil verschwunden ist. Bernard Pörksen hat das gut auf den Punkt gebracht, er spricht von der medialen Pubertät: Wir müssen unsere Kommunikation über die Medien verbessern, also aus den Fehlern der Vergangenheit lernen. Zudem müssen wir achtsam sein, dass nicht eine Gesellschaftsschicht entsteht, die komplett in die alternative Medienwelt abdriftet.

Was heißt das ganz konkret?

Ja, jeder muss die Verantwortung für das übernehmen, was er postet. Haben Sie etwa Fake News geteilt und bemerken Sie das kurz darauf, ist die erste Reaktion, es einfach zu löschen. Das ist gut. Aber: Nur wenige stellen es dann öffentlich richtig, indem sie ihren Fehler offen zugeben. In diesem Fall weisen Sie die Verantwortung von sich. Was uns fehlt, ist eine Fehlerkultur – auch im Privaten. In Firmen wird immer wieder davon gesprochen, Fehler als Teil eines kreativen Suchprozesses zu sehen, wo für eine Frage oder ein Problem noch keine gesicherten Antworten oder Lösungen zur Verfügung stehen. Das ist aber keine reine Wirtschaftssache: Auch in der Kommunikation sollten wir uns und unseren Zuhörern gegenüber ehrlich sein, Fehler korrigieren und andere auf Fehler hinweisen. Nur so steigt die Qualität unserer Auseinandersetzungen.

Wir sollten außerdem darauf achten, dass wir uns nicht zu einfach ‚triggern‘ lassen.

Patrick Nini

Jeder von uns hat Dinge, auf die er besonders schnell und oft auch heftig reagiert. Auch ich habe das und merke, dass ich dann ohne lang zu überlegen versucht bin, eine Nachricht zu teilen oder sie zu kommentieren. Ich rate aus diesem Grund immer dazu, sich selbst immer zu fragen: Warum reagiere ich gerade jetzt? Und warum so stark?

Der Mensch hat von Natur aus ja gerne Recht. Das hat zur Folge, dass man im Gespräch verleitet ist, dem anderen das eigene Weltbild aufzudrücken – auch ungefragt über Rechthabereien in sozialen Medien.

Ja, klar. Es gibt einem einfach ein schönes Gefühl, wenn man Recht hat. Zugeben zu müssen, dass man sich irrt, ist hingegen kein schönes Gefühl. Wichtig bei der Kommunikation ist es, empathisch zu sein und zuzuhören. Und glauben Sie mir: Zuhören ist das Schwierigste, was es gibt. Wirklich zuhören, meine ich. Denn wir haben immer den unglaublich anmaßenden Anspruch, es besser zu wissen, der Wahrheit am nächsten zu sein. Deshalb ist es so schwierig für uns, im Gespräch zu erkennen, dass es davon durchaus auch zwei verschiedene geben kann. Sie können „Ihre“ Wahrheit haben – und der andere seine. Welche wirklich „wahr“ ist, können Sie nur durchs aktive Zuhören – Ausredenlassen, Abwägen, Nachfragen, Gegenargumente bringen – herausfinden. Dafür brauchen Sie aber zuerst ein ehrliches Interesse an Ihrem Gegenüber. Und das Gegenüber eins an Ihnen.

Fassen wir also zusammen: Zu einem guten Dialog gehört Empathie, Zuhören und …

… die Bereitschaft, aus dem Dialog auch mit einer anderen Meinung herauszugehen. Wenn sich die Fakten ändern, sollte sich auch die Meinung ändern. Viele sehen das als Schwäche. Aber: Die Welt verändert sich jeden Tag, irgendwo gibt es immer etwas Neues, das das eigene Weltbild auf den Kopf stellen kann, und deshalb sollte man nicht krampfhaft an der eigenen Meinung festhalten.

Und wie platziere ich im Idealfall konstruktive Kritik?

Als Erstes sollten Sie sich fragen, in welcher Rolle Sie Kritik üben wollen. Steht es Ihnen überhaupt zu, in dieser Rolle zu kritisieren? Und dann sollten Sie sich Zeit nehmen und nicht mit der Tür ins Haus fallen. Im besten Fall äußern Sie die Kritik als Wunsch. Nach dem Motto: „Sie haben jenes gesehen und würden sich wünschen, dass …“

Gibt es eigentlich so etwas wie No-Gos bei der verantwortungsvollen Kommunikation?

Ich persönlich ärgere mich, wenn meine Gefühle mal wieder schneller waren als mein Verstand. Übertragen auf Ihre Frage würde ich deshalb sagen, dass Sie immer, wenn Sie kommunizieren, die eigenen Gefühle im Blick haben sollten.

Kommunikation wird immer dann schwierig, wenn man die Gefühle nicht unter Kontrolle hat.

Patrick Nini

Hier kommt dann auch das Thema Interpretation mit ins Spiel. Ihre Gefühlslage hat großen Einfluss darauf, wie Sie Gesagtes verstehen. Je nach mentaler Verfassung sorgt das für völlig andere Ergebnisse. Deshalb: Sorgen Sie dafür, dass Sie halbwegs fit sind, wenn Sie sich auf eine Diskussion einlassen. Wer unter dem mentalen Aspekt nüchtern und gefasst ist, verarbeitet Informationen anders und legt damit einen Grundstein für bessere Kommunikation. Sollten Sie merken, dass Sie innerlich aufgewühlt sind, vielleicht sogar richtig aufgebracht und wütend, ist es besser, das Gespräch zu verschieben.

Über den Autor
Patrick Nini ist Vortragsredner und Kommunikationstrainer.

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