„Die Verbindung wird hergestellt…“

Händedruck war gestern: Wie Firmen und Talente künftig zusammenfinden – ohne je physisch zusammengekommen zu sein. Eine Leseliste zur neuen, digitalen Be- und Anwerbungswelt.

„Die Verbindung wird hergestellt…“

Jede und jeder von uns erinnert sich noch daran: Das erste Bewerbungsgespräch. Morgens Stress im Bad, dann Anreise mit der Bahn. Nochmal die Eckdaten studieren, nur nichts dreckig machen! Die richtige Klingel finden und drücken. Das Summen an der Glaspforte, die alle anderen mit ihren Badges öffnen können. Das Warten, die feuchten Handinnenflächen, die wir uns schnell noch an der Hose abgestreift haben, als die Tür aufging…

Das alles ist Geschichte. Natürlich nicht der Bewerbungsprozess selbst. Auch nicht die Nervosität. Aber der feste, wenn auch feuchte Händedruck ist mit Corona dem mitunter instabilen Skype-Bild gewichen. Und damit sind nun sage und schreibe 100% des Bewerbungsverfahrens digitalisiert. Dass das in vielen Fällen auch nach der Pandemie so bleiben wird (und warum), erklärt dieser anschauliche Beitrag in der FAZ.

Wie stellt man sich nun als Bewerber darauf ein? Wie geht die Personalabteilung mit den neuen Herausforderungen um? Und welche Vorteile lassen sich auf beiden Seiten aus den Änderungen ziehen? Ein paar Antworten aus unserer Bibliothek.


Wie bewerbe ich mich digital?

Die Grundsätze

Zunächst: Was in der „alten Welt“ galt, gilt auch heute noch. Um für den Ar­beits­markt fit und attraktiv zu sein, sollten Sie ein Geschäftsmodell für sich selbst entwickeln. Dessen Kern ist Ihr Wet­tbe­werb­svorteil, Ihr besonderer Nutzen für den poten­ziellen Arbeitgeber. Grundlage dafür sind Ihre Qual­i­fika­tio­nen, Fähigkeiten, Stärken und Erfahrungen. Wie Sie das hinkriegen, steht im folgenden Abstract eines Managementratgebers – es eignet sich aber auch für Nichtmanager.

Zusammenfassung zum Thema bei getAbstract
Image of: Karriere im Umbruch

Karriere im Umbruch

Die Digitalisierung als Jobkiller? So stellen Sie sicher, dass es nicht Ihr Job ist.

Thomas Landwehr Carl Hanser Verlag

Die wichtigsten Mittel, um Ihre Marke zu präsentieren, sind Ihr In­ter­ne­tauftritt und Ihre Be­wer­bung­sun­ter­la­gen (hier ein paar nützliche Tipps bei Xing). Zu letzteren gehört zuvorderst ein fehlerfreies und individuell auf die Stelle zugeschnittenes Motivationsschreiben.

Ohnehin: Im Zeitalter der Fernarbeit ist der treffende Ausdruck wieder wichtiger, also die Fähigkeit, in Wort und Schrift – und weniger über die Gestik und teure, gut geputzte Schuhe – das rüberzubringen, was notwendig ist. Hier erfahren Sie, wie Sie so texten, dass der Personalverantwortliche nicht nach zwei Sätzen wegdöst:

Zusammenfassung zum Thema bei getAbstract
Image of: Text sells

Text sells

Wie man sich ins Herz der Kunden schreibt.

Armin Reins, Veronika Classen und Géza Czopf Verlag Hermann Schmidt Mainz

Einen guten Auftritt und einen angemessenen Ausdruck brauchen Sie allerdings auch jenseits der PDFs, die Sie auf Verlangen der Personaler schicken. Das Internet ist Ihre Kernpräsenz, denn hier werden letztere nach Ihnen suchen und das, was sie finden, in ihre Entscheidung einfließen lassen – bewusst oder unbewusst.

Überlegen Sie sich deshalb gut, ob und wie Sie einen eigenen Blog entwickeln und sich in sozialen Medien zeigen. Die meisten Arbeitgeber informieren sich über künftige Mitarbeiter bei Xing oder auf LinkedIn, aber auch auf Instagram und Facebook. Legen Sie also Profile mit einem (mindestens) akzeptablen Foto an, das Besucher eher über Sie informiert als über Ihre Katzen oder ihre zwielichtigen Hobbys. So jedenfalls geht’s nicht.

Tipp: Veränderungs­bere­itschaft ist ein Persönlichkeitsmerk­mal, das von Per­son­alver­ant­wortlichen bei der Be­wer­ber­auswahl oder auch Mi­tar­beit­er­beurteilung immer stärker berücksichtigt und honoriert wird. Dazu gehört, jederzeit bereit zu sein, sich beruflich zu verändern und sich weit­erzuen­twick­eln. Ihre Präsenz im Netz sollte diese Bereitschaft u.a. dadurch ausstrahlen, dass sie nicht 1988 zum letzten Mal aktualisiert wurde.

Das Bewerbungsgespräch

Spätestens beim Jobinterview stellt sich heraus, wie flexibel Sie wirklich sind. Die gute Nachricht zuerst: Auch das Bewerbungsgespräch hat sich strukturell nicht signifikant verändert. Sie sitzen weiterhin vor den Leuten, die Sie künftig bezahlen sollen – und letztere wollen herausfinden, ob Sie sie mit den eingesandten Unterlagen nach Strich und Faden belogen haben, respektive: ob sich die Anstellung ihrerseits lohnt.

Zusammenfassung zum Thema bei getAbstract
Image of: Legale Bewerbungstricks

Legale Bewerbungstricks

Bewerbungstricks – alles, was erlaubt ist.

Verena S. Rottmann Walhalla Fachverlag

Sie sollten sich auf unbequeme und verwirrende Fragen einstellen, und bei den Standards halbwegs sattelfest sein, ohne sich dabei unnötig zu verbiegen. In diesem Klassiker steht alles, was Sie zur Vorbereitung wissen müssen, egal ob digital oder analog:

Zusammenfassung zum Thema bei getAbstract
Image of: Das Jobinterviewknackerbuch

Das Jobinterviewknackerbuch

Schweißausbrüche und Fettnäpfchen beim Jobinterview waren gestern.

Anne Jacoby und Florian Vollmers Campus Verlag

Ein klarer Vorteil für den Bewerber ist es, dass solche Jobinterviews nun meist bei ihm daheim stattfinden (und nicht mehr in der 70er-Jahre-Konzernzentrale in Buxtehude): Keine verlorenen Reisekosten und -zeiten, weniger Mätzchen am Empfang, kein Frust beim Betreten des nächsten schlecht belüfteten Spannteppichbüros, das doch bis eben der neue, ersehnt-moderne Arbeitsort werden sollte.

Allerdings: Das Bewerbungsgespräch im eigenen Wohnzimmer kann auch ein Nachteil sein. Von Vorteil ist es nur, wenn Sie in (kurzen) regelmäßigen Abständen aufräumen, (ein wenig) Geschmack bei der Inneneinrichtung haben, sich auch in den eigenen vier Wänden gern (anständig) ausdrücken.

„Ich muss jetzt Schluss machen, in zwei Minuten habe ich ein Bewerbungsgespräch.“ / Foto: Wendelin Jacober auf Pexels

Sie brauchen diesbezüglich Nachhilfe? Kein Problem: Hier finden Sie jede Menge Tipps, wie Sie auch ohne festen Händedruck in positiver Erinnerung bleiben.

Zusammenfassung zum Thema bei getAbstract
Image of: Bewerben mit Videos und Videochat

Bewerben mit Videos und Videochat

Noch nicht üblich, aber groß im Kommen – Bewerbung per Video.

Jubin Honarfar und Robindro Ullah Haufe Verlag

Was Sie sagen und wie Sie es sagen ist also im Vergleich zur Frage, ob Sie Schal, Schlips und die richtige Hose (oder überhaupt eine!) tragen sollten, seit dem ersten Quartal 2020 noch mal ein gutes Stück wichtiger geworden.

Ihre schärfste Waffe ist und bleibt die gute Rhetorik. Deshalb hier noch ein paar Tipps, wie Sie sich – auch in den eigenen vier Wänden – gut vorbereiten und Ihre (kurze) Zeit vor der Webcam nutzen, um einen kompetenten Eindruck zu machen:

Zusammenfassung zum Thema bei getAbstract
Image of: Überzeugt!

Überzeugt!

So wirken Sie kompetent – ob Sie es sind oder nicht.

Jack Nasher Campus Verlag

Wie finden Sie den richtigen Bewerber?

Vorbereitung

Die einfache Antwort auf obige Frage aller Fragen: Indem Sie richtig suchen! Das wiederum ist schwieriger, als es klingt. Folgende Ratschläge haben sich bewährt.

Zusammenfassungen zum Thema bei getAbstract
Image of: Wie effektives Online-Recruiting funktioniert

Wie effektives Online-Recruiting funktioniert

So sprechen Unternehmen Kandidaten per Internet an.

Matilda von Gierke Personalmagazin
Image of: Praxiswissen Talent Sourcing

Praxiswissen Talent Sourcing

Wer mehr Talente fischen will, muss seine Netze im Netz auslegen.

Barbara Braehmer Haufe Verlag
Image of: Wie Sie die richtigen Leute finden

Wie Sie die richtigen Leute finden

Rekrutieren Sie richtig? Schauen Sie einmal genau hin.

Peter Cappelli Harvard Business Manager
Image of: Talent Management erfolgreich implementieren

Talent Management erfolgreich implementieren

Konsequentes Talentmanagement ist mehr als nur Personalentwicklung – und schöpft auch mehr Wert.

Torsten Bittlingmaier Haufe Verlag
Image of: Am Bewerber vorbei

Am Bewerber vorbei

Weniger ist mehr: die richtigen Bewerber finden und gezielt ansprechen.

Uwe Peter Kannig managerSeminare Verlag
Image of: So wollen Top-Talente arbeiten

So wollen Top-Talente arbeiten

Schöne neue Arbeitswelt: mit den besten Arbeitskräften der jungen Generation zum Erfolg.

Jan Brecke NZZ und FAZ

„Richtig suchen“ bedeutet in Zeiten, da nicht mehr alle Kollegen täglich ins Büro kommen dürfen und müssen aber auch:

a) Dass die HR-Abteilung beim Thema Digitalisierung (und KI-Einsatz) nicht das Schlusslicht des Betriebs ist.

Zusammenfassungen zum Thema bei getAbstract
Image of: Die digitale HR-Organisation

Die digitale HR-Organisation

Was die Personalabteilung zur digitalen Transformation beitragen kann.

Wolfgang Appel und Michael Wahler (Hg.) Luchterhand
Image of: Künstliche Intelligenz in Unternehmen

Künstliche Intelligenz in Unternehmen

Künstliche Intelligenz verändert die Geschäftswelt wie keine andere Technologie.

Bernard Marr Wiley-VCH
Image of: Der Computer, der mich einstellte

Der Computer, der mich einstellte

Wie gut ist künstliche Intelligenz im Recruiting-Prozess?

Nils Wischmeyer Brand eins

b) Die Personaler sich vermehrt nicht nur im direkten räumlichen Umfeld der Firma umschauen sollten, sondern weltweit nach den besten Talenten Ausschau halten (sofern das Sinn macht).

Zusammenfassung zum Thema bei getAbstract
Image of: Strategien internationaler Personalbeschaffung

Strategien internationaler Personalbeschaffung

Diesseits und jenseits der Grenze gleich wichtig, aber ungleich schwierig: Rekrutierung und Bindung der besten Mitarbeiter.

Wolfgang Apel und Gerhard Stähler (Hg.) Schäffer-Poeschel

Endauswahl

Zum digitalen Bewerbungsgespräch kommen – spätestens nach dem Beherzigen obiger Tipps – Ihre Bewerber perfekt vorbereitet: ausgefeilter Lebenslauf, einstudierte Antworten, hieb- und stichfeste Referenzen, Glasfaserleitung.

Wie finden Sie bei einer derart phantastischen Auswahl also heraus, ob jemand wirklich für eine Stelle geeignet ist?

Zusammenfassungen zum Thema bei getAbstract
Image of: Wie Sie den richtigen Mitarbeiter finden

Wie Sie den richtigen Mitarbeiter finden

Wie den richtigen Bewerber auswählen? 500 CEOs plaudern aus dem Nähkästchen.

Adam Bryant The New York Times
Image of: Standards der Personaldiagnostik

Standards der Personaldiagnostik

Wissenschaftliche standardisierte Personaldiagnostik schlägt Bauchgefühl.

Uwe Peter Kanning Hogrefe
Image of: Passt oder passt nicht?

Passt oder passt nicht?

Drum prüfe, wer sich lange bindet!

Verena Bast Impulse Medien GmbH

Bei Modebegriffen wie VUCA und „agiles Mindset“ kriegen Sie Ausschlag? Auch dann haben wir etwas für Sie.

Zusammenfassung zum Thema bei getAbstract
Image of: Das Profil erkennen

Das Profil erkennen

Anforderungsprofile in Zeiten von Agilität.

Martin Kersting Personalmagazin

Tipp: Wenn Ihre Mitarbeiter nicht vernetzt denken und arbeiten können oder wollen, werden Sie mit Ihren Bemühungen gegen die Wand laufen. Bei Google dauert der Be­wer­bung­sprozess deshalb sehr lang und vollzieht sich keineswegs nur in der Per­son­al­abteilung: Der Bereich, in dem der Bewerber arbeiten soll, wählt hier seinen Wun­schkan­di­daten aus.

An eine On­linebe­wer­bung schließen sich deshalb in der Regel zahlreiche (virtuelle) Meetings und Gespräche in den einzelnen Bereichen an. Die künftigen Kollegen wollen schließlich sicher sein, dass sie mit der oder dem Neuen gut kooperieren können.

Und, Hand aufs Herz: Sie wussten instinktiv schon immer, dass das der eigentliche Sinn und Zweck des ganzen Aufwands ist, oder?

Share this Story