Viel zu viele Entscheidungen

Allein zum Thema Essen treffen wir täglich mehr als 220 Entscheidungen. Kein Wunder, dass einige davon nicht besonders gut für uns sind. Im Job ist das leider nicht anders.

Auch wenn die meisten von uns davon überzeugt sind, dass wir differenzierte und rationale Urteile fällen, zeigt die Wissenschaft das Gegenteil: Rund 90 Prozent unserer Entscheidungen treffen wir schnell und intuitiv, also aus dem Bauch heraus. Oder einfacher: ohne darüber nachzudenken.

Die Strategie dahinter ist auch nicht schlecht. Immerhin prasseln pro Sekunde rund 11 Millionen Sinneseindrücke auf uns ein. Aktiv verarbeiten können wir aber nur 40. Deshalb kategorisieren wir Dinge schnell und ignorieren die allermeisten Informationen darüber hinaus. Haben wir etwas schon einmal gesehen und etwas anderes, das so ähnlich aussieht, begegnet uns, neigen wir dazu, keine neue Kategorie dafür anzulegen: Apfel ist Apfel, Birne ist Birne. Und haben wir eine Birne gegessen, bestimmt das unsere Erwartungen für zukünftige Birnen – oder ob wir je wieder eine probieren werden. So machen wir uns den Alltag einfacher, kommen überhaupt zurecht.

Im Job führen solche Denkautomatismen allerdings regelmäßig zu Ungerechtigkeiten, denn weil wir uns auf Erfahrungen, Faustregeln und Annahmen verlassen, trüben unbewusste Vorurteile und Stereotype unser Urteil.

Vorbehalte und Vorurteile haben wir besonders Menschen gegenüber, die uns weniger vertraut sind und mit denen wir nicht viel gemeinsam haben. Dann nutzen wir unsere Schubladen und machen Letztere auch tendenziell immer kleiner: Egal was wir mit manchen Menschen erleben, es wird rasch als „typisch“ wahrgenommen. Wer einmal aufbegehrt, ist ein „Mensch, der Konflikte sucht“. Wer sich einmal verspätet, ist „jemand, der zu spät kommt“. Dass Letzterer vorher im Fahrstuhl stecken geblieben sein könnte oder die Situation, in der Ersterer sich geäußert hat, speziell oder unfair war – solche Details ignorieren wir.

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Zusammenfassung (Buch)

Willful Blindness

Hindsight is 20/20, but daily insight is not, so take off your blinders and avoid future trauma by opening your eyes.

Margaret Heffernan Walker & Company
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Dazu kommt, dass wir nicht alle Informationen gleich bewerten. So fallen uns im Alltag eher Dinge auf, die unsere eigene Überzeugung stützen. Wir können uns deshalb auch besser an sie erinnern. Und zu allem Überfluss interpretieren wir das Geschehen dadurch unbewusst auch noch so, dass es in unser Weltbild passt.

Unser Hirn braucht Hilfe

Für faire und qualifizierte Entscheidungen braucht unser Gehirn Hilfe. Stolpersteine, die einen Automatismus unterbrechen, Strukturen, die Vergleichbarkeit gewährleisten.

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Gute Entscheidungen

Wer nur zwei Optionen sieht, hat womöglich nicht genug nachgedacht.

Jennifer Riel und Roger L. Martin Wiley-VCH
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Wie das aussehen kann? Lassen Sie uns auf vier typische Situationen schauen, in denen unser Verstand besonders gerne eine Abkürzung nimmt und eine schnelle, aber tendenziell auch ungerechte Entscheidung trifft.

  • Wir haben zu viele Informationen: Statt sich von der Informationsflut überwältigen zu lassen, lohnt sich ein Schritt zurück. Welche Informationen sind im aktuellen Kontext tatsächlich relevant? Was sind die wesentlichen Entscheidungskriterien? So können wir uns auf das fokussieren, was wirklich zählt.
  • Wir haben kein vollständiges Bild: Wenn relevante Informationen fehlen, füllen wir die Lücken gern selbst. Wir generalisieren und verlassen uns auf Stereotype und die eigene Interpretation. Stattdessen: Hinterfragen Sie, was Sie tatsächlich wissen bzw. nur vermuten. Was fehlt Ihnen und wie lassen sich diese Daten beschaffen?
  • Wir haben zu wenig Zeit: Gestresst oder müde? Das schafft fast optimale Bedingungen, damit Stereotype und Annahmen uns beeinflussen. Wichtige Entscheidungen sollte man daher lieber mit frischem Kopf angehen. Auch der eigene Biorhythmus beeinflusst die Entscheidungsqualität. Ob Sie lieber früh aufstehen oder eine Nachteule sind – berücksichtigen Sie persönliche Präferenzen.
  • Uns platzt fast der Kopf: Wenn zu viel anliegt, bemüht sich das Gehirn, Ressourcen zu schonen. Wir verlassen uns auf unsere Instinkte und ignorieren, was uns aufhalten könnte. Um sich in solchen Situationen zu fokussieren, helfen Notizen. Schreiben Sie sich auf, was Ihnen wichtig ist. Das hilft bei der Konzentration.

Indem wir uns solche Automatismen bewusst machen und sie einplanen, schaffen wir uns ein Sicherheitsnetz, das uns in Situationen auffängt, in denen wir leicht den eigenen Fehleinschätzungen erliegen. Dann treffen wir eine bessere Wahl – selbst wenn es hoch hergeht.


Nächste Schritte:
Weitere praktische Tipps und Tricks bietet Fair führen. Das Buch wurde mit dem getAbstract International Book Award 2020 ausgezeichnet. Laut Jury liefert es „nicht weniger als das erforderliche Rüstzeug für zukunftsfähige Unternehmen – eloquent, sachkundig und inspirierend.“

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Zusammenfassung (Buch)

Fair führen

Führungskräfte brauchen das Vertrauen ihrer Mitarbeiter. Dazu müssen sie Fairness herstellen.

Veronika Hucke Campus Verlag
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