Was 2021 wichtig ist

Das Jahr 2020 wird in die Geschichte eingehen. Was können Sie tun, damit Sie und Ihre Organisation im kommenden Jahr nicht dasselbe Schicksal ereilt?

Corona hat die Welt fundamental verändert und lässt uns mit mehr Fragen als Antworten ins neue Jahr starten. Welche langfristigen Folgen wird die Pandemie haben? Was genau wird sie mit uns machen? Werden die Menschen auch nächstes Jahr noch im Homeoffice bleiben? Fast sieht es danach aus. Es ist gut möglich, dass schon bald die einzigen Leute, die noch auf der Straße herumlaufen, Amazon-Lieferanten sind. Alle anderen sitzen isoliert in ihren Wohnungen und streamen, und skypen und zoomen, und posten und liken irgendwas.

Zum ersten Mal seit langer Zeit haben wir es nicht nur mit einem konkreten Risiko zu tun, für das man klare Strategien entwickeln kann, sondern mit einer Phase fundamentaler Unsicherheit. Keiner weiß, was genau zu tun ist.

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Risiko

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In den vergangenen Jahren habe ich hunderte von Vorträgen vor Unternehmen gehalten. Und egal, ob es sich dabei um Banken, um Pharmakonzerne oder Maschinenbauer handelte, eigentlich haben sich alle mit den gleichen Fragen herumgeschlagen: Wie treffe ich einer hochkomplexen Welt kluge Entscheidungen? Was ist wirklich wichtig? Was kann weg? Aus wie vielen Fehlbesetzungen besteht meine Abteilung? Und habe ich mich selbst mitgezählt?

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Als Vortragsredner spricht unser Kolumnist Vince Ebert auf Kongressen, Tagungen und Firmenfeiern in deutscher und englischer Sprache zu den Themen Erfolg, Innovation und Digitalisierung. Hier können Sie Vince Ebert als Keynote-Speaker für Ihren Event engagieren.

Für 2021 sind diese Fragen wichtiger denn je. Doch gleichzeitig erweist sich deren Beantwortung als umso schwerer. Denn die Lage ist nach wie vor unberechenbar, unsicher und uneindeutig. Eine Situation, die besonders für Führungskräfte extrem unbefriedigend ist, denn deren Job Description besteht ja gerade darin, komplexe Systeme steuern und organisieren zu können. Aus der Forschung ist aber bekannt: Je komplexer System ist, desto planmäßiger trifft einen der Zufall.

Ein guter Freund von mir arbeitet im Risikomanagement einer großen Versicherung. Auch privat ist er ein totaler Kontrollfreak: Firewalls, Antivirusprogramme, versichert bis unter die Hutschnur, Alarmanlage. Und irgendwann war seine Wohnung ausgeräumt und die Konten geplündert. Von der eigenen Frau.

Vince Ebert

Was also können wir tun? Wie können wir in einer Phase kompletter Unsicherheit handlungsfähig bleiben? Zunächst ist es unabdingbar, zu akzeptieren, dass wir derzeit keine Kontrolle haben. Das Virus bestimmt die Geschicke der Welt und wir können nichts daran ändern.

Mein Credo für 2021: Improvisation vor Perfektion!

Akribie und Perfektionismus sind hervorragend geeignet, wenn es um klar definierte Probleme geht, für die es eine eindeutig richtige oder falsche Lösung gibt. Aber gerade das ist derzeit nicht der Fall. Was heute noch richtig ist, kann morgen schon wieder falsch sein. Daher ist es zurzeit viel wichtiger, auszuprobieren und zu improvisieren, statt zu versuchen, einen perfekten Plan zu entwickeln.

Ein positives Beispiel ist die Methode der Wissenschaft: Wissenschaft ist gerade deswegen so erfolgreich, weil man ständig unperfekte Ideen entwickelt, die man überprüft, die man angleicht, verbessert, korrigiert oder sogar verwirft. Daraus sind unzählige Innovationen entstanden: Porzellan wurde „versehentlich“ erfunden, weil die Alchemisten eigentlich Gold herstellen wollten. Tesafilm sollte ursprünglich Heftpflaster werden. Viagra wurde entdeckt, weil männliche Versuchspersonen ein Herzmedikament in der Testphase partout nicht mehr absetzen wollten. Der wissenschaftliche Beweis der Wiederauferstehung.

Mir persönlich hat dieses spielerische Ausprobieren schon immer viel Spaß gemacht:

Mit sechs Jahren habe ich meinem Vater beim Mittagsschlaf mit einer Lupe einen glühend heißen Sonnenstrahl an den Hinterkopf gehalten. Ein Team von Fachärzten hat wochenlang rumgerätselt, was das sein könnte.

Vince Ebert

Und genau deshalb sollte das nächste Jahr im Zeichen der Improvisation stehen. Wir müssen wieder lernen, auszuprobieren und konstruktiv mit „Unperfektheit“ umzugehen. Scheitern inbegriffen. Denn nicht selten können aus den größten Fehlern die größten Erkenntnisse gezogen werden. Das ist mir im letzten Jahr bei meinem neunmonatigen Aufenthalt in New York klar geworden. Ich bin dort in den Stand-up Clubs aufgetreten. Ein Himmelfahrtskommando! Ein deutscher Comedian, der Physik studierte und auf der Bühne Witze über Georg Ohm, den Begründer des deutschen Widerstands, machte. Wie sollte das gehen? Es war nicht meine Sprache, nicht mein Land, und ich hatte keine Ahnung, was mich auf der Bühne erwartete. Daher blieb mir nichts anderes übrig als ins kalte Wasser zu springen und zu improvisieren. Einmal habe ich von der Bühne herunter ein Pärchen gefragt: How long have you been together? Und da sagt er zu mir: „Hey dude, she’s my sister.“ Aber ich habe ihn nicht richtig verstanden und zurückgefragt: „Great… do you have children ..?“ Es war einer meiner größten Lacher.

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Die Mutter aller Krisen

Ein 15-Punkte-Plan für Unternehmen zur Überwindung der Coronakrise.

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Für das nächste Jahr wünsche ich uns allen mehr Mut zum Ausprobieren und Improvisieren. Egal ob Selbständiger oder Angestellter. Egal ob Führungskraft oder Mitarbeiter. Gehen Sie ab und an auch ein Risiko ein und geben Sie dem Zufall eine Chance. Tun Sie ab und an etwas Bescheuertes. Es muss ja nichts Großes sein. Schenken Sie einem Gewerkschaftler einen FDP-Kugelschreiber. Putzen Sie Ihre Zähne morgens mit Elmex und abends mit Aronal. Brechen Sie Regeln und pinkeln Sie beim nächsten Schwimmbadbesuch einfach mal ins Becken. Und wenn Sie wirklich mutig sind – auch vom Fünfer!

Denn wenn der Mensch niemals etwas Bescheuertes getan hätte, wäre auch nichts Vernünftiges entstanden. In diesem Sinne: „Frohes Neues!“


Vince Ebert ist Diplom-Physiker, Wissenschaftskabarettist und Bestsellerautor. Sein Anliegen ist die Vermittlung wissenschaftlicher Zusammenhänge mit den Gesetzen des Humors. Seit 2004 ist er erfolgreich auf deutschsprachigen Bühnen unterwegs, aktuell mit seinem neuen Programm „Make Science Great Again!“ (Tickets & mehr…). Seine Bücher verkauften sich über eine halbe Million Mal und standen monatelang auf den Bestellerlisten. In der ARD moderiert er regelmäßig die Sendung „Wissen vor acht – Werkstatt“.


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