Fairness auf Distanz

Um Mitarbeiter „auf dem Schirm“ zu haben, müssen Sie sich aktuell nicht besonders anstrengen. Schwieriger wird es, wenn Sie gegenseitige Rücksicht und Motivation im Homeoffice hochhalten wollen. Hier sind ein paar Ratschläge.

Fair zu sein, ist den allermeisten Menschen ein Anliegen. Das wurde auch deutlich, als ich Mitte November in einem getAbstract Webinar mein Buch Fair führen vorstellte. Im Chat überschlugen sich die Fragen, und wir hatten nicht die leiseste Chance, auf alle direkt einzugehen. Das möchte ich in dieser Kolumne nachholen: Fragen beantworten, die Ihnen wichtig sind und ganz praktische Tipps und Tools vermitteln, um im Arbeitsalltag fair zu agieren. Aktuell besonders gefragt: Mittel und Wege, um die Führungsherausforderungen in Zeiten von Corona zu meistern.

Erinnern Sie sich? Vor 12 Monaten stand vermutlich bei den meisten von uns die Abteilungs- oder Firmenweihnachtsfeier ins Haus. Doch an solche Veranstaltungen ist dieses Jahr nicht zu denken und auch das tägliche Miteinander hat sich radikal verändert.

Veronika Hucke

Viele arbeiten von zuhause, und das hat enormen Einfluss auf die Kommunikation. Aus besagtem Webinar wissen wir, dass bei rund 70 Prozent der Teilnehmerinnen und Teilnehmer weniger kommuniziert wird, und sich außerdem der Fokus des Besprochenen verschoben hat. Es wird kaum mehr Persönliches oder Alltägliches geteilt und stattdessen vor allem über Jobinhalte gesprochen.

Was fehlt: Soziale Interaktion

Dadurch geht wichtiger „sozialer Schmierstoff“ verloren. Das unterstreicht eine Untersuchung, die ich 2019 – vor Corona – zu verteilt arbeitenden Teams durchgeführt habe: Rund 4.000 Menschen haben sich damals beteiligt, und haben über 6.000 Kommentare dazu hinterlassen, wie sie Zusammenarbeit erleben, was gut läuft und womit sie ringen. Alle, die regelmäßig getrennt von ihren Kolleginnen und Kollegen arbeiteten, haben hervorgehoben, wie wichtig technische Lösungen und klare Vereinbarungen für eine erfolgreiche Zusammenarbeit sind – so wie schnelles Internet, vernünftige Kamera, Absprachen über Erreichbarkeit, die Möglichkeit, auch zeitversetzt an einem Thema zu arbeiten, usw..

Allerdings hoben diejenigen, die sich trotz Distanz voll eingebunden fühlten, einen völlig anderen Aspekt hervor: Soziale Interaktionen. Statt sich nur zu Teambesprechungen einzuwählen und Meetings zu vereinbaren, um Arbeitsinhalte zu besprechen und Projekte voranzutreiben, trafen sie sich mit Kolleginnen und Kollegen auf einen virtuellen Kaffee. Planten aktiv Termine ohne eine feste Agenda oder meldeten sich aus dem Blauen heraus einfach mal für einen Schnack. Sie fanden Wege, um das zufällige Gespräch auf dem Flur oder in der Kaffeeküche so gut es eben geht in die digitale Welt zu übertragen. Das ist alles andere als „soziales Gedöns“: Die Strategie ist wichtig, weil wir durch solche Begegnungen Gemeinsamkeiten entdecken können und Vertrauen entsteht.

Zudem übersehen wir oft, wie viele wichtige Informationen wir im Büro aus der Situation heraus aufnehmen. Wie jemand guckt, wie der Schreibtisch aussieht, ob auch mal eine Pause drin ist oder der Blick starr auf den Bildschirm fixiert bleibt.

Ohne, dass ein Wort fällt, gewinnen wir eine Vorstellung davon, wie es den anderen geht, wie sie vorankommen, ob sie Unterstützung oder eine Aufmunterung brauchen. Wenn wir nicht im Raum sind, müssen wir andere Wege finden, um das in Erfahrung zu bringen.  

Veronika Hucke

Bei denen im Team, die uns nahestehen, fällt uns das noch relativ leicht. Da kommen wir im Gespräch automatisch auch mal vom Thema ab und sprechen über Dinge jenseits des Jobs. Wir greifen lieber zum Hörer oder schicken was Lustiges über den Chat und auch daraus kann sich ein Dialog entwickeln. Die anderen, denen wir uns weniger verbunden fühlen, verlieren wir aber auch leichter aus dem Blick – oder sie verschwinden komplett von unserem Radar. Und das ist etwas, das sich eine Führungskraft schlicht nicht erlauben kann.

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Denn für die Betroffenen hat das direkte Konsequenzen. Untersuchungen haben gezeigt, dass es sich für Beschäftigte häufig negativ auswirkt, wenn sie von ihren Teams getrennt sitzen. Sie bekommen tendenziell weniger Feedback, können ihre Arbeiten also nur langsamer verbessern, haben auch weniger Entwicklungsgespräche, und machen nicht so schnell Karriere. Wenig überraschend fallen dann auch noch Gehaltserhöhungen bei ihnen geringer aus. Was also tun, um allen im Team gerecht zu werden – sie also fair zu behandeln?

Was hilft: Sichtbarkeit erhöhen!

Um alle im Blick zu behalten, ist es wichtig, sie sichtbar zu machen. Dafür gibt es ganz unterschiedliche Strategien und eine ganze Reihe einfacher Tricks:

  • Platzieren Sie ein Foto des ganzen Teams auf dem Schreibtisch oder als Bildschirmhintergrund.
  • Setzen Sie sich Erinnerungen im Kalender, die Sie benachrichtigen, wenn es mal wieder Zeit ist, sich zu melden.
  • Führen Sie eine Strichliste, auf der Sie festhalten, mit wem Sie gesprochen haben und die Ihnen ggf. durch eine große weiße Lücke anzeigt, dass Sie mal wieder Kontakt aufnehmen sollten.
  • Planen Sie außerdem regelmäßig kurze Termine fest im Kalender ein, um einen „virtuellen Gang“ durch die Abteilung zu machen.

Viel Erfolg!


Nächste Schritte:
Weitere praktische Tipps und Tricks bietet Fair führen. Das Buch wurde mit dem getAbstract International Book Award 2020 ausgezeichnet. Laut Jury liefert es „nicht weniger als das erforderliche Rüstzeug für zukunftsfähige Unternehmen – eloquent, sachkundig und inspirierend.“

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