Warum uns andere Meinungen stressen

Die meisten Menschen tun sich mit abweichenden Meinungen schwer. Warum bloß? Und: Wie kann man das ändern?

Man sollte meinen, Meinungsunterschiede seien etwas Spannendes, nämlich großartige Gelegenheiten, Neues zu erkunden und unseren Blick zu weiten. Nur die wenigsten sehen das allerdings so, und eine Erklärung dafür finden wir in unserem Gehirn. Genauer gesagt in der Amygdala – dem Mandelkern. Diese Hirnregion ist für die schnelle, automatische Verarbeitung von Emotionen zuständig. Besonders von Angst.

Für unsere Vorfahren war dieser Automatismus überlebenswichtig, zum Beispiel wenn sie einem Bären begegnet sind. Ob kämpfen, fliehen oder totstellen, war keine Frage scharfen Nachdenkens. Stattdessen reagierte der Körper automatisch, im Bruchteil von Sekunden.

Für die meisten von uns hat sich die persönliche Gefahrenlage verändert. Stellen Sie in Ihrem Leben häufige Zusammenstöße mit wilden Tieren fest? Oder begegnen Ihnen regelmäßig Bewaffnete, die eine reelle Bedrohung darstellen? Wohl kaum.

Was Menschen heute umtreibt, sind soziale Ängste. Die Furcht vor Zurückweisung, Isolation oder Ausgrenzung.

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Gedanken zur Scham

Eine alte, barbarische Strafe hält Einzug in der virtuellen Welt.

Alex Korb, Lynne Malcolm und Tanveer Ahmed ABC Radio
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Wie stark wir auf abweichende Meinungen reagieren, können wir dank moderner Bildgebungsverfahren inzwischen sehen. Wenn feste Überzeugungen eines Menschen herausgefordert werden, zeigen sich bei MR-Untersuchungen die gleichen Hirnaktivitäten, als würde jemand von einem wilden Tier gejagt. Unsere Amygdala interpretiert Meinungsverschiedenheiten als Gefahr. Wir fühlen uns allein, ungeschützt, und reagieren je nach Typ mit Angst – oder sogar Wut.

Beispiel Social Media

Der Wunsch nach Zugehörigkeit ist auch einer der Gründe, warum Diskussionen auf Social Media so schnell eskalieren. Jeder Klick, jeder Like unterstreicht die Beziehung zu anderen. Durch meine Kommentare zeige ich Unterstützung. Und je deutlicher oder auch drastischer sie ausfallen, desto klarer signalisiere ich meine Loyalität, dass man auf mich „zählen“ kann.

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Die Kunst des Miteinander-Redens

Je schwieriger der gesellschaftliche Dialog, desto wichtiger ist er.

Bernhard Pörksen und Friedemann Schulz von Thun Carl Hanser Verlag
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Dafür ist es nicht nötig, den Kontext zu verstehen, einen verlinkten Artikel zu lesen oder ein Video anzuschauen. Dass sich die „richtigen“ Personen äußern, reicht aus, um die eigene Haltung zu definieren. Vorauseilend wird sofort alter Content rausgekramt, der in dieselbe Richtung zu deuten scheint. Alles, um das bestehende Bild zu untermauern und die Wagenburg zu schließen.

Fight, Flight, Freeze

Obwohl sich die Gefahren und Umstände also verändert haben, sind unsere Reflexe dieselben geblieben. Deshalb begegnen wir Meinungsverschiedenheiten oft wie körperlichen Auseinandersetzungen. Fight, Flight oder Freeze bleibt unser Motto. Wir gehen auf Angriff, wutschnaubend mit geschwollenem Hals; wir ziehen uns zurück oder es kommt ein teilnahmsloses „jaja“, wenn wir uns der Situation nicht entziehen können.

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Das Geheimnis richtigen Zuhörens

Warum wir meist schlechter zuhören, als wir glauben – und was wir dagegen tun können.

Anja Niekerken Springer
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Was wir stattdessen tun sollten? Aktiv zuhören. Eine Haltung einnehmen, in der wir uns bemühen, andere Menschen zu verstehen.

Eine Reihe an Techniken hilft, dieses Ziel zu erreichen:

  • Zurückhaltung: Geben Sie anderen Menschen Zeit, ihr eigenes Tempo zu bestimmen. Halten Sie Sprechpausen aus oder wenn jemand nicht so schnell „auf den Punkt kommt“, wie Sie das am liebsten hätten. Vermeiden Sie es, gleich Ihre Meinung und eine eigene Interpretation anzubieten.
  • Zuwendung: Signalisieren Sie Interesse und Aufmerksamkeit durch eine offene Körperhaltung, durch Ihre Mimik und Gestik.
  • Paraphrasieren: Wiederholen Sie wichtige Aussagen in eigenen Worten, um sicherzustellen, dass Sie Ihr Gegenüber richtig verstanden haben.
  • Verbalisieren: Spiegeln Sie die Gefühle des Gegenübers, um die emotionale Reaktion aufzugreifen. Also zum Beispiel: „Das muss dich verletzt haben“, „Du hast dich sicher geärgert“. Berücksichtigen Sie dabei, dass andere Menschen eventuell anders reagieren, als Sie es erwarten. Lassen Sie den Raum, darüber zu sprechen.
  • Nachfragen: Fragen Sie nach, wenn etwas unklar ist. Und um zu zeigen, dass Sie einem Bericht aktiv folgen und interessiert sind, mehr zu erfahren.

Wenn wir offen in Gespräche gehen und sie nutzen, um die eigene Meinung zu hinterfragen, passiert noch etwas anderes: Es reduziert die Aktivität der Amygdala. Dadurch wird Stress abgebaut und es fällt leichter, konträre Meinungen zu erkunden. Wenn ich dabei dann feststelle, dass ich Unrecht habe, kann das wehtun. Die gute Seite davon? So funktioniert das Lernen.

Nächste Schritte:
Weitere praktische Tipps und Tricks bietet Fair führen. Das Buch wurde mit dem getAbstract International Book Award 2020 ausgezeichnet. Laut Jury liefert es „nicht weniger als das erforderliche Rüstzeug für zukunftsfähige Unternehmen – eloquent, sachkundig und inspirierend.“

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