„Ich weiß nicht“ war gestern!

Eine Entscheidung muss her, aber keine der verfügbaren Optionen ist wirklich super? Kein Problem! Denn gutes Entscheiden lässt sich lernen – und zwar mit System.

„Ich weiß nicht“ war gestern!

Lebenslang allein bleiben oder doch jetzt da reinmarschieren und einfach „Ja“ sagen? Ich weiß noch genau, wie ich damals vor der Kirchentür stand und mit mir und der Welt haderte. Aber dann überschritt ich die Schwelle mit meinem Vater an meiner Seite – und war eine Stunde später verbunden auf Lebenszeit.

Natürlich ist das damals alles doch ganz anders abgelaufen, aber die Geschichte ist ein herrlicher und nicht ganz ernstgemeinter Einstieg in ein Thema, das uns allen manchmal den Schlaf raubt. Die Rede ist vom Umgang mit einem Dilemma. Es gibt einfach diese Situationen, in denen es nicht die beste Lösung gibt, sondern nur zwei Optionen, die sich zwar voneinander unterscheiden, aber von denen keine wirklich „gut“ ist. Und diese Fälle werden in unserer modernen Welt immer zahlreicher.

Eine Welt voll von Dilemmas

Egal wohin man auch blickt und um welchen (Lebens)Bereich es sich handelt, immer öfter geht es gar nicht mehr darum, welche Entscheidung die beste ist, sondern eher, welche das kleinere Übel bedeutet. Denn jede noch so kleine Entscheidung hat Folgen, und in einer immer stärker vernetzten Welt tragen nicht nur wir als Entscheider sie, sondern alle, die irgendwie mit dem Problem selbst und seiner Lösung zu tun haben. Kaufen Sie ein günstiges Modestück bei einer großen Kette und gehen Sie das Risiko ein, dass letztere es mit den anständigen Produktionsbedingungen in Asien nicht so genau nimmt? Oder verzichten Sie darauf und hoffen, dass dies zu besseren Lebensbedingungen anderer führt? Biojoghurt oder doch der Preiswerte? Eine Abteilung outsourcen, weil es günstiger wird – man aber auch Kontrolle abgibt? Und am Freitag: Fondue oder Raclette?

Dass uns einige Entscheidungen abgenommen werden, von Politikern, Kollegen oder Freundinnen und Freunden, macht es auch nicht immer einfacher. Denn selbst wenn andere für uns entscheiden, haben wir noch immer die Wahl: Vogelstrauß spielen, den Kopf in den Sand stecken und der Dinge harren, die da kommen? Oder doch lieber mit dem eigenen Dilemma auseinandersetzen und bewusst daran arbeiten, um das möglichst Beste aus der Situation zu machen?

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Entscheidungen treffen

Schwierige Entscheidungen zu treffen, gehört zum Job einer Führungskraft. Aber auch jeder andere kann – für Entscheidungen im Privatleben – von den Titeln…

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Hier daher für alle Mutigen einige Anregungen oder Methoden, wie Sie zu einer Entscheidungen kommen und Ihrem persönlichen Dilemma entkommen.

1. Integratives Denken

In ihrem Buch Gute Entscheidungen stellen die beiden Autoren Roger Martin und Jennifer Riel die Methode des Integrativen Denkens vor. Es geht dabei um die Chance, aus der Spannung zwischen zwei schlechten, jedoch gegensätzlichen Lösungen eine neue, bessere Lösung zu entwickeln. Also, sich nicht für eine der beiden schlechten Optionen zu entscheiden und darauf zu hoffen, immerhin die bessere vorgezogen zu haben, sondern eine dritte Option aus den zwei unattraktiven abzuleiten.

Der Prozess des Integrativen Denkens besteht aus vier Schritten:

  1. Lösungsmodelle formulieren: Schreiben Sie das Problem und die beiden möglichen Lösungswege auf. Achten Sie darauf, dass ein Gegensatz zwischen den beiden Lösungen besteht.
  2. Lösungsmodelle untersuchen: Arbeiten Sie nun heraus, wo sich die Lösungen ähneln oder unterscheiden. Ermitteln Sie zu dem die Elemente, die zu einer Spannung zwischen den beiden Lösungen führen.
  3. Möglichkeiten erkunden: Fragen Sie sich nun, welche dritte Lösung es geben könnte. Diese kann auch einzelne Teilsegmente der beiden bestehenden enthalten. Entwickeln sie mehrere Lösungsideen.
  4. Möglichkeiten testen: Testen Sie nun diese Lösungsideen und schauen Sie, welche das beste und vor allem ein positives Ergebnis bringt. Haben Sie keine Angst vor falschen Entscheidungen, die meisten lassen sich revidieren.

2. Der methodische Entscheidungsprozess

Geben Sie sich niemals mit schlechten Kompromissen zufrieden. Suchen Sie den Austausch mit Menschen, die einer komplett anderen Meinung sind als Sie. Das öffnet den Blick für neue Möglichkeiten. Philip Meissner rät in Entscheiden ist einfach dazu, dass dieser Ratgeber möglichst unabhängig sein muss und kein eigenes Interesse an Ihrer Entscheidung haben darf. Wichtig ist zudem, dass Sie die Meinung des anderen nicht als persönlichen Angriff betrachten, sondern als Chance, Ihre Sichtweise zu hinterfragen.

Die Qualität unserer Entscheidung muss zum Zeitpunkt der Entscheidung beurteilt werden und nicht im Nach­hinein.“

Philip Meissner

Er präferiert zudem die klassischen W-Fragen und rät, jedes Mal dreimal (!!) Warum zu fragen. Der eine oder andere mag das nun mit einer gewissen Skepsis betrachten. Aber denken Sie daran, wie Sie als Kind fragten „Warum?“. Und wie Sie diese Frage ein zweites, drittes und ein hundertstes Mal stellten. Die Antworten waren immer andere. Und genau darum geht es: Es gibt nicht die eine Lösung, nicht die eine Antwort. Es geht darum, sich langsam – Step by Step – an eine möglichst richtige Antwort heranzutasten.

3. Klares Denken

Gute Entscheidungen sind das Ergebnis klaren Denkens. Doch das ist gerade in einer digitalen Welt, die uns Zugang zu unfassbar vielen Informationen ermöglicht, nicht immer einfach. Es ist deshalb wichtig, dass Sie bei sich bleiben und Ihre Urteilskraft trainieren.

Das Geheimnis hinter einer effektiven Urteilskraft ist Abstraktion.

Sich frei zu machen von der Situation, entscheiden zu müssen, und das Ganze mal von außen zu betrachten. Das hilft auch dabei, Emotionen aus dem Spiel zu nehmen. Denn Angst, Aktionismus und Perfektion verhindern gute Entscheidungen. Vorsicht und Risikovermeidung sind zwar an der Tagesordnung, haben aber ausgedient: Es geht vielmehr mittels lernbarer Techniken das Denken, Fühlen, Wollen und die eigenen Werte in Einklang zu bringen. Wie das geht, erfahren Sie in kompakter Form hier:

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Zusammenfassung (Buch)

Denk klar

Entscheiden ist die Königsdisziplin des Denkens.

Ingo Radermacher BusinessVillage GmbH
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4. Risikointelligenz trainieren

Eine Entscheidung ist auch immer mit einem Risiko verbunden. Man weiß schließlich nie, welche Auswirkungen sie am Ende haben wird. Leider fehlt es vielen von uns an der sogenannten Risikokompetenz, meint Prof. Dr. Gerd Gigerenzer. Was es damit auf sich hat und wie wir selbst uns eine so genannte Risikointelligenz erarbeiten können, hat er uns im Interview verraten.

Auf unserer englischen Journalseite finden Sie auch ein Videogespräch mit ihm:

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