Sag’s doch einfach!

Die Arbeitswelt ist kompliziert? Ja, das ist sie. Aber sie wäre schon viel verständlicher, wenn Führungskräfte auf Managementjargon, Anglizismen und peinliche Floskeln verzichten würden.

Den Kollegen aufskillen, Projekte sunsetten oder die zu schwache Dotted Line zum CIO spotten? Wenn Sie auf Anhieb verstehen, was ich damit meine, sind Sie schon Teil des Problems. Haben Sie allerdings nur eine vage Vermutung, worum es hier geht, sind Sie noch nicht verloren! Vielleicht gehören Sie weiterhin zu denen, die stattdessen feststellen, dass der Kollege eine Fortbildung braucht, dass ein Projekt eingestampft wird oder halt die Verbindung zum Informatikchef zu schwach ist, um weisungsbefugt etwas bewirken zu können. Gratulation!

Denn: Sie drücken sich präzise aus, werden dabei von den Kollegen verstanden, blamieren sich nicht vor ihnen und beherzigen schlicht das wichtigste Wirtschaftskommunikations-Credo „Je einfacher, desto besser!“ (nein: nicht „Simplify!“). Allerdings: Die Gruppe derer, die das mit Ihnen gemeinsam tun, wird immer kleiner – denn der Managerjargon hat eine enorme Anziehungskraft, obschon er nachweislich noch enormeren Schaden verursacht.

„Was will der?“

Die Kommunikation zwischen Mitarbeitern und Führungsriege ist das A und O in einer Organisation und sollte besonders dann klar und deutlich sein, wenn es kriselt. Doch leider fühlt sich genau in diesem Moment die Spitze dazu berufen, gravierende Neuigkeiten in Floskeln zu verpacken, wie das Beispiel von Heinrich Hiesinger zeigt. „Diese Vereinbarung gibt den Menschen Sicherheit und erlaubt uns, die strategischen und operativen Ziele des Joint Ventures, einschließlich der geplanten Synergien, umzusetzen“, sagte der Vorstandsvorsitzende von ThyssenKrupp anlässlich der Fusion mit Tata Steel. „Aha“, werden sich da viele Mitarbeiter gedacht haben. „Und was ist nun mit meinem Job?“ Vertrauen schaffen geht anders, und von Sicherheit kann gar keine Rede sein.

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Die kaputte Elite

WHU, EBS, McKinsey: Synonyme für das, was in der deutschen Wirtschaft schiefläuft?

Benedikt Herles Albrecht Knaus Verlag

Es gibt zahlreiche Psychologen, Soziologen und Sprachwissenschaftler, die das Thema Managerdeutsch unter die Lupe genommen haben. Wie Hermann Ehmann kommen sie zu dem Schluss: „Menschen wollen sich wichtigmachen.“ Worthülsen und nebulöse Schlagworte dienen der Verschleierung von Unwissen, sollen dabei aber Weltläufigkeit und Expertise suggerieren. Da wird dann ordentlich „outgesourct“, „gechangt“ und „gechallengt“ – und wer das „Mindset“ nicht teilt, wird „ge-re-skillt“ oder gar „gecancelt“.

Was dabei aber auf der Strecke bleibt, sind Klarheit und Verständnis.

Wenn der Chef eines großen industriellen Konzerns seinen – wie er sie nennen würde – Blue-Collar-Mitarbeitern zuriefe: „Danke, aber bitte reschedulen und mich im Loop behalten“, würde er dadurch nicht zum angesehenen „CEO“, sondern zum Gespött beim gemeinsamen Feierabendbier. Instinktiv wissen das unsere Chefs auch oft noch, weshalb das Problem der kaputten Ausdrucksweise vor allem eines des Managements ist. Unter Managern, die am Firmensitz – Entschuldigung: im „Headquarter“ – munter committen, feedbacken oder townhallen, um sich in Weeklys, Huddles und Meetings ihrer eigenen Wichtigkeit zu versichern, dient der Jargon gleichzeitig zur Definition des sozialen Status innerhalb der Gruppe und zur Abgrenzung gegen außen. Bis zu einem gewissen Grad ist es also Sinn und Zweck dieses Gehabes, eben nicht verstanden zu werden. Dass das der eigenen Organisation mehr schadet als nützt, weil ja ohnehin alles schon undurchsichtig und anstrengend genug ist, wird in Kauf genommen.

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Dialog statt Spaltung!

Mit verantwortungsvoller Kommunikation Gräben überwinden.

Patrick Nini GABAL Verlag

Mitunter ist die Nutzung des Jargons sogar ein Hinweis auf Boshaftigkeit: Schon vor mehr als zehn Jahren gab es Studien dazu, dass geschönte Geschäftsberichte sich allein über die vorgefundene Konzentration von Floskeln entlarven lassen. Die Autoren nutzen in diesen Fällen gern das Wir-Pathos, sie emotionalisieren trockene Zahlen und tummeln sich gern auf sprachlichen Allgemeinplätzen. Der Effekt, auf den sie abzielen, ist Akzeptanz, Wohlwollen. Und die Adressaten ihrer „gepimpten“ Geschäftsberichte sind Mitglieder ihrer sozialen Gruppe, die dieselbe Sprache sprechen: Aktionäre – meist selbst Manager – und einschlägige Medienvertreter – meist selbst „Management-Bullshitter“. Ein Teufelskreis, der nur schwer durchbrochen werden kann.

Wie werden wir das los?

Ich finde: Es ist Zeit für einen Change-Request im nächsten Release! Tun wir unseren Organisationen, unseren Mitarbeitern, dem Firmenklima und sogar dem Geschäftsbericht etwas Gutes und wehren wir uns! Am besten gelingt das mit den Waffen unserer Manager. Das Magazin Business Spotlight reicht uns dazu die Hand: Wer im nächsten Gespräch mit dem Management mit unsinnigen Phrasen nur so um sich werfen und damit nicht nur kritischen Geist sondern auch Sinn für Humor unter Beweis stellen will, findet hier eine kleine Bullshit-Bingo-Auswahl.

Schauen wir mal, was dabei rauskommt. Lassen Sie es mich gern wissen!

Wil(l)ma Wissen
Die Kolumne unserer Autorin Wilma Fasola widmet sich der unkonventionellen Herangehensweise an Wirtschaftsfragen und manchmal auch der sehr direkten Konfrontation rund um Themen, die sich im täglichen (beruflichen) Miteinander ergeben. Dinge, die andere vielleicht weniger gern angesprochen wissen, die aber genau deshalb Interesse wecken. Schließlich lernen wir alle niemals aus.

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