Teurer Narzissmus

Narzisstische Menschen gelten zwar als „schwierig“, aber, und das ist oft wichtiger, als zielorientiert. Mit hohen Kollateralschäden.

Reinhard K. Sprenger, zvg

Ihr Arbeitsalltag ist ein Kampffeld, auf dem sie immer siegen müssen, die „richtigen Leute“ kennen und bei gesellschaftlichen Anlässen den „gebührenden Platz“ einnehmen. Ihr Selbstwertgefühl resultiert aus dem Vergleich mit anderen. Sie wollen nicht morgen besser sein als gestern, sie wollen andere besiegen. Vor allem aber wollen sie „gut aussehen“. Mit sonnenkönighaften Auftritten und provozierend zur Schau gestellten Statussymbolen betreiben sie eine Re-Feudalisierung der Wirtschaft, die den dümmlichen Theaterinszenierungen des Hochadels im vorrevolutionären Frankreich nicht unähnlich ist: narzisstische Führungskräfte.

Wie erkenne ich Narzissten?

Sie fragen nicht „Wer bin ich?“, sondern „Als was will ich gelten?“. Im Gegensatz zur verbreiteten Meinung sind sie nicht selbstbewusst, das ist nur äußere Schale, sondern innerlich unsicher und häufig labil. So basteln sie sich eine attraktive Hülle. Statt die innere Leere wahrzunehmen, Einsamkeit auszuhalten, brauchen sie den täglichen Spiegel, der ihnen sagt, wer der Schönste, Klügste, Beste im Lande ist. Das Paradoxe daran:

Der Eitle wähnt sich unabhängig, autonom, und ist doch in besonderem Maße fremdgesteuert, abhängig vom Beifall des Publikums – und für manchen ist ja jede Pfütze ein Spiegel.

Wer aber alles tut, damit die Daumen der anderen nach oben zeigen, ist von keiner inneren Tiefe her bestimmt und wird niemals in sich ruhen.

Die Kollateralschäden durch narzisstische Führungskräfte wiegen für ein Unternehmen schwer: Leistung wird durch Loyalität ersetzt; Nichtkonformität ist Selbstmord. Es wird nur noch taktisch kommuniziert. Man fragt nicht mehr „Was muss er wissen?“, sondern „Was will er hören?“. Massive Wirklichkeitsausblendungen sind die Folge. Abweichende Sichtweisen kommen nicht zur Geltung. Menschen, die anderer Meinung sind, sind Feinde.

Narzissten umgeben sich gerne mit Personen, die sie fördern können, die zu ihnen aufschauen, von ihnen lernen – sie aber nicht gefährden. Die tiefe Vorliebe für Jasager (bei gleichzeitiger Behauptung des Gegenteils) korrespondiert mit Unersetzlichkeitsfantasien. Sie sind unfähig, abzutreten und sich rechtzeitig starke Nachfolger aufzubauen. Extrem wichtig für die Zukunftsfähigkeit eines Unternehmens: Schon bei der Auswahl ihrer Mitarbeiter fallen sie leicht auf „Blender“ herein. Die sind allerdings eine Nummer kleiner als sie selbst:

Schmidt sucht Schmidtchen.

Ihr Berufsweg ist daher gesäumt von desolaten Auswahlentscheidungen – was sie auf fehlende Analysetechniken zurückführen, nicht jedoch auf ihre eigene Psychodynamik. 

Vor allem aber: Sie nehmen schlechte Nachrichten nicht wahr. Und immer wieder sind Unternehmen daran gescheitert, dass sie Störgeräusche des Marktes überhörten. Der Überbringer schlechter Nachrichten wird zwar nicht mehr geköpft, aber gilt einem auratischen Chef schnell als Teil des Problems. Narzisstische Manager sind zudem in der Regel Selbstoptimierer, keine Fremdoptimierer. Wenn Führung heißt, die Leistung anderer zu fördern, dann sind sie zur Mitarbeiterführung ungeeignet. Apropos Nachrichten: Die OADD – die „online attention deficit disorder“ – ist eine Vorstufe zum Narzissmus. Das Motto dazu: „Andere denken an mich, also bin ich.“ Also, wenn Sie permanent Ihre sozialen Medien checken …

Wundertüten für Konflikte

Narzisstische Personen sind wahre Wundertüten für Konflikte, weil ihnen jedes Geschehen eigenwertrelevant ist. Alle Vorgänge im Unternehmen werden auf das famose Selbst bezogen, sind geeignet, das Ideal der eigenen Person zu gefährden. Ereignisse werden nicht als solche behandelt, sondern als Urteil darüber, als was man gilt. Jede Entscheidung ist gleichzeitig eine Entscheidung darüber, ob er sich als Versager oder Erfolgsmensch fühlt. Auffallend ist daher ihre enorme Kränkbarkeit. Deshalb ist man in ihrer Gegenwart nie entspannt, nie gelöst, sondern immer verkrampft. Mit mechanischer Konsequenz erzeugen sie daher Gegenenergie. Ihr Berufsweg ist von Konfliktruinen gesäumt. Denn:

Je autoritärer ein narzisstisches Ego Regie führt, desto intensiver wird das Egosystem anderer Menschen aktiviert. Das Ergebnis sind Machtkämpfe in Permanenz. Und nur die Hierarchie verhindert, dass aus dem sie umgebenden Schweigen ein Dauertumult wird. 

Narziss, der das quälende, liebliche Abbild nicht greifen konnte, das er im Quell erblickte, hineinsprang und ertrank. Ob ich selbst einer bin? Selbstironie ist immer hilfreich. Jedenfalls habe ich darüber einen Song geschrieben …

Song
Titel: SPRENGER Die Band – Me, Myself & I
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Songtext

Me, Myselfie and I

Singulär einzig – erfrischend informell
Außer gewöhnlich – unkonventionell
Schlank, schön, selbstbezüglich – so individuell
Ich, ich und ich, ich – wunderbar originell

Eigen und nicht artig – gehöre nicht mehr zur Norm
Früh gefördert trag ich – die Kreativ-Uniform

Eins bleibt leider richtig
Ich nehm mich viel zu wichtig
Ein Segen für die Welt
Ich will es nicht verhehlen
Ich würd mir schon sehr fehlen
Me, Myselfie and I

An und für mich – herrlich exklusiv
Monochrom farbig – entzückend positiv

Ich bin die Gnade Gottes – mit nichts und niemand konform
Sie sitzt wie angegossen – die Kreativ-Uniform

Eins bleibt leider richtig
Ich nehm mich viel zu wichtig
Vegan und Bio-Ei
Gluten- und zuckerfrei
Ich will es nicht verhehlen
Ich würd mir schon sehr fehlen
Me, Myselfie and I

Eins bleibt leider richtig
Ich nehm mich viel zu wichtig
Ich vermiss dich sehr
Ich vermiss mich mehr
Ich will es nicht verhehlen
Ich würd mir schon sehr fehlen
Me, Myselfie and I

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