Folge 11: Ein unangenehmer Fehler

Nina ist abgelenkt und begeht einen Fehler. Natürlich weiß sie, dass Fehler in der Theorie immer gern gesehene „Chancen zum Lernen“ sind. Doch gilt das auch für Fehler, die aus bloßer Unachtsamkeit begangen wurden?

Folge 11: Ein unangenehmer Fehler

„Didididing“, meldet sich der E-Mail-Benachrichtigungston und Nina zuckt zusammen. Gerade ist sie noch tief in den Artikel über Netflix’ beliebteste Genres 2021 versunken gewesen – ist ja schließlich auch Marketing, hat sie sich schöngeredet –, als das Tagesgeschäft auf sich aufmerksam macht. Nina wirft einen kurzen Blick auf den Anhang: der monatliche Newsletter für die Kunden, dessen Daten und Inhalte sie wie üblich freigeben soll. Der ist aber früh dran. Na ja, da ist eh immer alles in Ordnung. Ohne sich das Dokument anzusehen, kopiert Nina es kurzerhand und leitet es an den Endnutzer-Verteiler weiter. Zurück zum Artikel. Etwa eine halbe Stunde später bekommt Nina eine Nachricht – sie ist von Olivia, die vor etwa einem Monat angefangen hat: „Liebe Nina, hattest du schon Zeit, dir den Newsletter anzusehen?“ Nina spürt, wie eine Welle der Panik ihren ganzen Körper durchflutet. Warum fragt Olivia sie das? Schnell scrollt sie zurück zu der Mail mit dem Newsletter – oh nein, oh Gott, oh … „Fuck“, rutscht es Nina heraus, laut, und zwar sehr laut. Sie überfliegt den Inhalt der Mail, die nicht wie sonst von Dina, der Abteilungsleiterin, sondern von Olivia kam. Es ist nämlich eine ihrer ersten Aufgaben gewesen, einen Textentwurf für den neuen Newsletter zu verfassen, wie Nina jetzt in der Mail liest. Und als sie den Anhang öffnet, bestätigen sich ihre schlimmsten Befürchtungen: Schon auf den ersten Blick sieht sie Dutzende fehlerhafte Daten und Darstellungen. Einen Moment lang starrt Nina regungslos auf das „Weitergeleitet“ und den Verteiler „Endnutzer“. Dann steht sie wortlos auf.

„Herbert?“, fragt Nina leise, während sie seine Bürotür langsam öffnet. Seit ihrer kleinen Unterhaltung letztens hatten sie immer wieder miteinander geredet – er war zu einer Art Vertrautem im Büro geworden. Herbert sieht Nina fragend über den Rand seiner Brille hinaus an. „Herbert, ich habe Scheiße gebaut.“ Herbert hört sich alles geduldig an, dann sagt er ohne zu zögern: „Keine Frage: Du gibst den Fehler jetzt sofort zu, entschuldigst dich und das Wichtigste: Du bringst gleich Lösungsvorschläge mit.“ Nina schaut Herbert an, als hätte er sie eben beleidigt. „Verstehst du nicht? Hinter dem Fehler steckt kein guter Wille und kein Stress, sondern einfach Unachtsamkeit. Olivia würde man so was verzeihen. Ich könnte ihr sagen, dass sie den Newsletter erst an ihren Vorgesetzten hätte schicken sollen und …“ Doch Herbert schüttelt den Kopf:

Rockstars suchen keinen Schuldigen, und sie schweigen Fehler nicht tot. Sie erfinden auch keine Heldenstorys, warum die Zielerreichung nicht möglich war.

Daniel Szabo

Mit „Rockstars“ meint der Unternehmer Daniel Szabo Leute, die erfolgreich Karriere machen. Dass Fehler dazugehören und man aus ihnen lernen soll, weiß vermutlich jeder. Doch was ist, wenn der Fehler nicht aus löblich-schöpferischem Trial-and-Error entsteht, sondern schlicht aus mangelnder Konzentration? Ganz egal: Viel wichtiger als die genauen Umstände des Fehlers ist, wie damit umgegangen wird. Ehrlich und direkt, ohne zu jammern oder nach Entschuldigungen zu suchen.

Wenn du erfolgreich sein möchtest, dann geht das nur, wenn du Fehler machst und diese dann korrigierst. An Fehlern zu wachsen und von ihnen zu lernen, sie offen zuzugeben und für sich selbst zu dokumentieren – das ist der Weg zum Erfolg.

Daniel Szabo

Damit schließt Herbert seine Ausführungen und fügt grinsend an: „Danke übrigens für den Tipp mit der getAbstract-Bibliothek.“ Nina ist niedergeschlagen und als Herbert das sieht, ergänzt er: „Betrachte es als Weckruf: Wir alle kennen Zeiten, in denen wir uns schneller ablenken lassen – warum auch immer. Glaub mir, ich habe in all den Jahren schon reichlich Blödsinn verzapft … Wichtig ist jetzt Schadensbegrenzung. Dich zu verkriechen und zu hoffen, dass du dich da irgendwie rauswinden kannst, hilft niemandem – am allerwenigsten deinem Ruf. Denn wenn das rauskommt, stehst du nicht nur als faul, sondern auch als unehrlich da.“ Bei Herberts Direktheit muss Nina schlucken. „Der einzige Weg, deinen Ruf zu retten, ist jetzt ein souveräner Auftritt. Ich war nicht konzentriert, kommt nicht wieder vor, hier meine Lösungsvorschläge.“ So ungern Nina sich das eingesteht, aber Herbert hat recht. Sie bedankt sich und geht direkt zum Büro ihres Chefs, bevor sie es sich anders überlegen kann. Dort angekommen stellt sie jedoch fest, dass der gerade unterwegs ist. Den Gedanken, das jetzt als Zeichen zu sehen, verwirft Nina schnell wieder. Da ihr Chef unterwegs meist nicht gut telefonieren kann, steht Ninas nächster Schritt fest: Sie muss mit einer richtig guten Mail überzeugen.


Ninas Welt
Nina ist 28 und Angestellte im Bereich Marktforschung. In ihrem Büroalltag erlebt sie immer wieder Situationen, in denen sie sich denkt: „Ich kann nicht die einzige mit diesem Problem sein.“ Wie gut, dass sie jetzt Zugang zur getAbstract-Bibliothek hat und ihre Lösungsvorschläge Gegenstand unserer neuen monatlichen Arbeitsweltkolumne sind, finden Sie nicht?

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