Motivation in Zeiten der Pandemie

Fehlende Perspektiven, Planlosigkeit und Unsicherheit über Wochen, das nagt an den Nerven. Kleine Veränderungen im Alltag können helfen, dennoch aktiv und produktiv zu bleiben.

Als mich die Redaktion von getAbstract fragte, ob ich nicht etwas zum Thema Motivation in Kombination mit unserem Workhack #whytalk schreiben könnte, dachte ich nur: „Och nöööö.“

Da draußen gibt es eine Million Hinweise dafür, was man gerade alles Großartiges machen kann, wie man sich trotz Dauer-Homeoffice motiviert hält, wie man als Team in Verbindung bleibt. Und ich gestehe, dass ich zu den Predigern gehöre, die genau solche Dinge in die Welt rufen und versuchen, immer neue und passende Hacks zu finden.

Nur: Wenn ich in mich selbst hineinhorche, merke ich, dass im Mai 2021 ein gefakter Spaziergang in mein Homeoffice nicht mehr ausreicht. Es hilft auch nicht mehr, virtuell mit Kollegen einen Kaffee zu trinken, und das beschwerdefreie Bändchen an meinem Handgelenk hat auch an Kraft verloren. Ich gestehe: Viele Hacks haben nach 13 Monaten Homeoffice und den damit verbundenen Auswirkungen ihren Charme verbraucht. Jeder Tag gleicht dem anderen, sogar die Wochenenden sind so unaufgeregt, dass ich manchmal freiwillig arbeite. Ich bin dünnhäutig, ungeduldig und verletzlich. Durch die fehlende Perspektive, wann das mal wirklich aufhört, könnte ich mich nach dem Aufstehen manchmal gleich wieder hinlegen.

Schlimm, oder? Und geschäftsschädigend auch noch – ich weiß. Doch ich hab mir nun einmal vorgenommen, mich selbst in die Rechnung einzubeziehen, auch oder besonders in dieser Kolumne.

Und Leben besteht eben nicht immer nur aus rosigen Zeiten. Mein authentisches Ich sagt derzeit: Arghs, ich mag nicht mehr. Es gibt Tage, an denen ich mich nur schlecht motivieren kann. Dann bin ich kein leuchtendes Vorbild, tue nur das Nötigste. So weit zur Jammerstunde.

In den letzten Tagen habe ich vermehrt darauf geachtet, wann ich doch motiviert bin. Und da bin ich tatsächlich auf etwas gestoßen. Es gibt Situationen, da bin ich mit Kunden, Freunden und Kollegen in einer Art von Resonanz, wir kommen sozusagen gemeinsam in Schwung und das auf einer Wellenlänge. Wenn ich in Resonanz komme, habe ich nach einem Treffen mehr Energie als davor, selbst wenn es ein Arbeitstreffen war und dies digital stattfand. Am Ende haben wir richtig was geschafft! Ich habe das Glück, mit zwei Kolleginnen zu arbeiten, mit denen ich regelmäßig diesen Zustand erleben kann. Natürlich war es auch schon vor der Homeoffice-Pflicht so, dass wir drei besonders gern zusammengearbeitet haben. Doch jetzt sind sie besonders wichtig. Ich brauche sie und ihre Energie, um Themen weiter zu denken, Workshops vorzubereiten oder diesen Text zu schreiben.

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Während ich dies schreibe, befindet sich meine Kollegin dank Teams-Kanal digital an meiner Seite. Die Kamera ist an, aber wir reden nicht, denn ich schreibe diesen Text. Sie arbeitet an etwas anderem. Doch sie ist anwesend und – glaubt es oder nicht: Das macht einen riesigen Unterschied für mich. Dazu darf ich ihr nach Fertigstellung den Text vorlesen und ich bin sicher, dass sie ihn gut findet. Oder zumindest wird sie mir sagen, was sie an dem Text gut findet – bevor sie konstruktive sowie sehr willkommene Kritik äußert.

Was ich damit sagen will ist: Ich habe in dieser außergewöhnlichen Zeit einen Meta-Hack gefunden, der mir das alles etwas erleichtert. Ich sorge noch stärker als sonst dafür, dass ich viel (reale und virtuelle) Zeit mit Menschen verbringe, mit denen ich in guter Resonanz bin. Sie füllen meine bescheidenen Reservoirs auf, statt an ihnen zu zerren. Und ich sorge dafür, dass die Zeiten mit den anderen Menschen, mit denen die Zusammenarbeit aus unterschiedlichsten Gründen eher kräftezehrend ist, möglichst kurz sind, oder wir tauschen uns nur schriftlich aus.

Und jetzt bin ich doch ganz froh, dass ich gefragt wurde, was mich motiviert. Ich wäre sonst gar nicht draufgekommen. Danke, liebe getAbstract-Redaktion. Für mich hat sich der Text schon gelohnt.

#whytalk

Besprechen Sie in Ihrer Gruppe, warum man „hier“ ist, also diesen Job macht, und warum man nicht „woanders“ ist, also woanders arbeitet. Das ist ein toller Workhack, den man gut als Einstieg im Team machen kann. Stellen Sie im nächsten Schritt die Frage: Mit wem will ich mehr in Kontakt sein und mit wem weniger? Ich rate Ihnen dazu, den Menschen mitzuteilen, wenn Sie mehr Kontakt mit ihnen wollen. Das ist sehr schmeichelhaft und kann der Beginn eines wunderbaren Resonanz-Austausches sein.

Hey, Lydia!
Das bin ich. Meine Passion ist das „Hacking“: mit kleinen Tricks und Kniffen eine möglichst große Wirkung erzeugen. Und in dieser Kolumne gebe ich einmal im Monat Auskunft über die neuesten Zugänge meiner Workhacks-Bibliothek. Feedbacks zur Nützlichkeit gern unmittelbar an: ls@workhacks.de.

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