Folge 9: Small Talk auf der Büroparty

Der Tag der Büroparty ist gekommen und nun gilt es, mit gutem Small Talk Eindruck zu schinden. Natürlich ist Nina nervös und hat sich daher im Vorfeld über die Regeln für erfolgreiche Party-Gespräche informiert.

Folge 9: Small Talk auf der Büroparty

Ihre Schritte hallen, als Nina durch die große Eingangshalle geht. Obwohl sie noch einige Stockwerke von der Party trennen, hört sie leises Gelächter und Stimmgewirr. Wie laut muss es dann erst da oben zugehen? Nina fühlt sich unwohl, zurück ist nun einmal keine Option mehr. Sie hat nun einmal zugesagt. Wie nervös sie jedoch wirklich ist, wird ihr erst bewusst, als sie den runden Abdruck sieht, den ihr schwitziger Finger auf dem Fahrstuhlknopf hinterlässt. Beim Gedanken, sich gleich mit schlagfertigen Antworten und intelligenten Kommentaren beweisen zu müssen, dreht sich ihr der Magen um. Nina schließt die Augen und versucht, sich an die Dinge zu erinnern, die sie vor einigen Tagen gelesen hat.

Warum manche Menschen sich vor Small Talk fürchten, ist nicht abschließend geklärt, schreibt die Leil Lowndes. Doch genau für solche Menschen stellt die Psychologin 92 Wege vor, um ins Gespräch zu kommen, und zwar in:

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Zusammenfassung (Buch)

Wie man das Eis bricht

Wie man lernt, Small Talk zu lieben und für sich zu nutzen.

Leil Lowndes mvg verlag
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Tatsächlich geht es beim Small Talk hauptsächlich darum, dass beide Gesprächsparteien sich in der Konversation wohl fühlen:

Bei Smalltalk geht es nicht um Worte. Sondern um den Ton, um Harmonie. Man macht Smalltalk, damit der andere sich entspannt.

Leil Lowndes

Den ersten Punkt kann man dabei bereits beim Gesprächsauftakt erzielen, indem man die Stimmung des Gegenübers erfasst und sie widerspiegelt. Auch beim thematischen Verlauf des Gesprächs orientiert man sich idealerweise am Gegenüber: Bleibt der Gesprächspartner oberflächlich, darf man das ruhig auch – denn auch Übereinstimmungen über Banalitäten wirken sich positiv auf Gespräch und Gesprächspartner aus. Nur gekünstelt darf es nicht sein. Werden die Themen komplexer, zieht man ebenfalls mit – allerdings sollte Kontroverses vermieden werden. Sicher kann aus Small Talk eine Diskussion entstehen, ist aber eigentlich nicht die Absicht.

Wichtig auch: Man selbst klatscht dem Gegenüber nicht einfach kontextlose Ein-Wort-Antworten hin – sonst landet man nach Fragen wie «Woher kommen Sie» schnell in einer kommunikativen Sackgasse. Den Gesprächspartner sollte man so oft es geht von sich reden lassen – ironischerweise wirkt man so nämlich besonders interessant. Personen, die selbst nicht gern viel reden, sind also beim Small-Talk ganz klar  im Vorteil.

Wahrhaft selbstsichere Leute (…) wissen, dass sie vom Zuhören mehr haben als vom Reden. Und offenkundig gewinnen sie denjenigen, den sie reden lassen, damit für sich.

Leil Lowndes

Gesprächspausen lassen sich mit einem einfachen Trick verhindern: Einfach die letzten Worte der Aussage des Gegenübers mit einem fragenden Unterton wiederholen. So können Erzählungen immer weiter ausgeführt werden – und alles, was jemand über sich selbst erzählen kann, führt ja bekanntlich zu einer besseren Stimmung und einem besseren Gespräch. Parallel sollte man sich ereifernde – und selbst ehrlich begeisterte – «Ich auch»-Aussagen verkneifen, egal ob das Gespräch auf den eigenen Wohnort oder das eigene Hobby kommt. Muss man schließlich doch irgendwann reden, sollte man etwa Phrasen vermeiden: So bekannt viele sind, so langweilig wirkt auch der, der Dinge mit ihnen beschreibt, statt sich selbst kreative Umschreibungen auszudenken.

Ein kurzer heller Ton und die Fahrstuhltür öffnet sich. Nina reißt die Augen auf und ist zurück in der Realität und leider damit auf der Party angekommen. Sie atmet noch einmal tief durch und verlässt den Fahrstuhl. Entschlossen greift sie kurz darauf zu einem der aufgestellten Champagnergläser und steuert – zum ersten Mal freiwillig – auf Ellen zu. Die redet gerade mit einigen Männern, einer davon ist Ninas Vorgesetzter, ein anderer Herbert. «Nina!», quietscht Ellen etwas verhaltener als sonst, «wir haben gerade über die dem Gebäude nachträglich hinzugefügten Fresken an den Wänden gesprochen.» Ihr Chef ergänzt: «Sie wirken irgendwie fehl am Platz.» «Fehl am Platz?», hakt Nina nach, innerlich grinsend. Nach einer langen Ausführung über Freskenmalerei und Fremdartigkeit – Nina wusste gar nicht, wie viel ihr Chef darüber weiß – ist Nina allerdings doch am Zug. «Oder wie empfinden Sie das?», wird die Frage an sie gerichtet. Nina dreht sich kurz hin und her und antwortet dann: «Ein bisschen wie Koriander.» Die Runde lacht, taktvoll gedämpft, aber trotzdem: Dieses Geräusch wird Nina nicht so schnell vergessen.


Ninas Welt
Nina ist 28 und Angestellte im Bereich Marktforschung. In ihrem Büroalltag erlebt sie immer wieder Situationen, in denen sie sich denkt: «Ich kann nicht die einzige mit diesem Problem sein.» Wie gut, dass sie jetzt Zugang zur getAbstract-Bibliothek hat und ihre Lösungsvorschläge Gegenstand unserer neuen monatlichen Arbeitswelt-Kolumne sind, finden Sie nicht?

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