Die beste Medizin gegen Nikotinabhängigkeit ist nicht rezeptpflichtig
Endlich Nichtraucher!

Die beste Medizin gegen Nikotinabhängigkeit ist nicht rezeptpflichtig

Nach dieser Lektüre gibt es keine Ausreden mehr. Wer mit dem Rauchen aufhören will, sollte es einfach bleiben lassen.

Es gibt drei Arten von Menschen: Raucher, Nichtraucher und ehemalige Raucher. Raucher rauchen. Nichtraucher verstehen nicht, wie man diese Angewohnheit haben kann, die doch eigentlich nur stinkt, ungesund ist und ein Vermögen kostet. Ehemalige Raucher verstehen in vielen Fällen nicht, wie sie jemals rauchen konnten. Manche werden zu besonders militanten Nichtrauchern. Manche werden rückfällig. Manche wollen anderen beim Aufhören helfen.

Allen Carr hat sich Letzteres zur Aufgabe gemacht. Er hängte seinen Job als Wirtschaftsprüfer an den Nagel und verbreitete seine „Allen-Carr-Methode“ fortan in Büchern und Seminaren. Daraus entwickelte er ein allgemeineres Selbsthilfe-Konzept, was sich an Buchtiteln wie Endlich Wunschgewicht! oder Endlich ohne Alkohol! ablesen lässt.

Einfach aufzuhören ist die beste Methode, um mit dem Rauchen aufzuhören.

Der Autor, 1934 in England geboren, kannte das Problem aus erster Hand. Für seinen Vater und seine Schwester war das Rauchen tödlich. Er selbst starb 2006 im Alter von 72 Jahren mit Lungenkrebs. Kurz vor seinem Tod gab er zu Protokoll, dass er wahrscheinlich 20 Jahre früher gestorben wäre, wenn er nicht 1983 zum Nichtraucher geworden wäre, was ihm die wertvollste Zeit seines Lebens bescherte.

 

Rauchen ist die raffinierteste, gemeinste Falle die es gibt.

Allen Carr

Vorher rauchte Carr 33 Jahre lang, zum Schluss mindestens drei Schachteln am Tag. Und dann hörte er einfach damit auf. Im Grunde ist das schon die gesamte Methode: Wenn Sie mit dem Rauchen aufhören wollen, hören Sie einfach auf.

Aber ein derartiger Rat füllt kein Buch und überzeugt wahrscheinlich niemanden. Daher geht Carr in die Breite und in die Tiefe und schildert, wie Raucher zum Rauchen kommen und warum sie daran festhalten, obwohl sie die schädlichen Folgen durchaus kennen. Schließlich sind sie intelligent und vernunftbegabt wie andere Menschen auch.

Gehirnwäsche und Nikotinsucht gehen eine heimtückische Allianz ein.

Menschen werden durch Raucher zum Rauchen verleitet. Bis dahin haben sie aber schon eine Gehirnwäsche hinter sich, indem sich Filmszenen wie die Zigarette nach dem Sex oder die Zigarre eines Mächtigen in Siegerpose in ihrem Unterbewusstsein verankert haben, wodurch das Rauchen für sie positiv besetzt ist.

 

Der Durchschnittsraucher hat keine Ahnung, warum er raucht.

Allen Carr

Das im Tabak enthaltene Nikotin ist allerdings ein Gift, welches beispielsweise in Insektenvernichtungsmitteln steckt. Schon die erste Zigarette kann ausreichen, um nikotinabhängig zu werden. Nach sieben Sekunden ist das Nikotin im Blut angekommen. Eine halbe Stunde später ist der Nikotinspiegel im Blut auf die Hälfte gefallen, nach einer Stunde auf ein Viertel. Das tut zwar nicht weh, ist aber dennoch ein Entzug, der ruhelos und nervös macht und das Verlangen nach der nächsten Zigarette weckt. Diese beruhigt scheinbar, beseitigt tatsächlich aber nur die Unruhe, die de facto eine Nachwirkung der vorherigen Zigarette ist. Der Raucher wird nun in dem Irrglauben bestärkt, dass Zigaretten ihm Halt und Sicherheit geben und Genuss verschaffen. Dabei konditioniert er seinen Körper auf den Gestank und den schlechten Geschmack, den die meisten Menschen abscheulich finden, zumal der blaue Dunst sich übelriechend in ihrer Kleidung sowie auf Haut und Haaren festsetzt.

Zigaretten beheben Probleme, die man ohne sie erst gar nicht hätte.

Vier typische Gründe für das Anstecken der nächsten Zigarette sind Stress, Langeweile, Konzentration oder Entspannung. Die sind jedoch vorgeschoben. In Wirklichkeit ist es der Entzugsstress nach dem eben beschriebenen Muster, den die Zigarette beheben soll. Der Wunsch nach einer Zigarette lenkt den Raucher nämlich ab, erzeugt Gereiztheit und Stress. Der Entzugsstress erhöht seinen ohnehin vorhandenen Stress, drängt sich bei Langeweile in den Vordergrund, behindert die nötige Konzentration oder stört die Entspannung. Was hilft in solchen Situationen? Richtig – eine Zigarette. Und genau dies ist der Trugschluss. Die Zigarette senkt lediglich vorübergehend den Gesamtstresspegel, der aber nur deshalb so hoch ist, weil man vorher geraucht hat.

 

Das Schlimmste am Rauchen ist nicht die Schädigung der Gesundheit oder des Geldbeutels, sondern die Verkrüppelung der Psyche.

Allen Carr

Allen Carr beschreibt all diese Mechanismen, die er aus eigener Erfahrung hinlänglich kennt. Im Grunde handelt es sich dabei um wenig komplexe Zusammenhänge. Dennoch muss erstmal jemand sie entwirren, beim Namen nennen und die Scheinwelt schonungslos entlarven. Indem Carr genau dies tut, bereitet er seine Leser mental darauf vor, den letzten Schritt selbst zu gehen.

Carr stellt klar, dass er weder Arzt noch Psychologe ist. Das scheint sogar ein Vorteil zu sein – so stand ihm bei der Entwicklung seiner Methode kein Fachwissen im Weg. Dass die Methode funktioniert, zeigen die dankbaren, erleichterten oder begeisterten Kommentare vieler ehemaliger Raucher, unter denen sich auch Prominente wie Anthony Hopkins und Richard Branson befinden.

Carrs Methode ist Hilfe zur Selbsthilfe – die endgültige Entscheidung trifft der Raucher ganz für sich allein.

Als Lösung empfiehlt Carr, mit dem Rauchen spontan Schluss zu machen. Dies fällt leicht, wenn die innere Einstellung stimmt. Dazu muss der Raucher allerdings seine Gehirnwäsche rückgängig machen. Und er sollte sich von der verbreiteten Sichtweise nicht irritieren lassen, dass es schwer sei, mit dem Rauchen aufzuhören. Außerdem sollte er Ersatzbefriedigungen wie Süßigkeiten meiden. Die sind nur ein Substitut. Nikotin braucht kein Substitut. Nicht zu rauchen ist der natürliche Zustand, bei dem einem nichts fehlt, der gesünder ist und Geld spart. Die Argumentation besticht durch ihre Geradlinigkeit.

 

Rauchen ist weder eine Gewohnheit noch ein Vergnügen. Es ist eine Drogensucht und eine Krankheit.

Allen Carr

Carr führt dem Leser all die Illusionen und falschen Assoziationen des Rauchens vor Augen. So verschafft er ihm eine „positive Gehirnwäsche“ und bringt ihn Schritt für Schritt an den Punkt, an dem jener für sich beschließt, dass er keine weitere Zigarette mehr will. Dieser Moment erfolgt wahrscheinlich erst gegen Ende des Buches, bei vielen Lesern auch schon früher. Die Entscheidung fällt im Kopf.

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